GoPro hat seine Jahresbilanz neu eingereicht. Der Grund ist eine Warnung, die Investoren aufschrecken lässt.
GoPro steckt tiefer in der Krise als zuletzt bekannt. Der Actioncam-Hersteller hat am 1. Juni 2026 seine Bilanz für das Geschäftsjahr 2025 erneut bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Neu darin ist eine sogenannte Going-Concern-Warnung. Sie besagt, dass erhebliche Zweifel am Fortbestand des Unternehmens innerhalb der nächsten zwölf Monate bestehen. Das geht über die im Mai gestartete Strategieprüfung deutlich hinaus.
Auch der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers hat seinem Bericht einen entsprechenden Hinweis angefügt. Demnach schreibt GoPro Verluste und gibt im Tagesgeschäft mehr Geld aus, als es einnimmt. Zugleich werden Schulden binnen zwölf Monaten fällig, sobald das Unternehmen bestimmte Kreditauflagen verletzt. Gemeint sind Bedingungen, die die Kreditverträge vorschreiben, etwa Mindestwerte für Liquidität und Gewinn. All das begründe erhebliche Zweifel daran, ob GoPro fortbestehen kann.
Speicherpreise und schwache Nachfrage verschärfen die Lage
Die ursprüngliche Bilanz vom 12. März 2026 kam noch ohne diese Warnung aus. Erst danach traten Entwicklungen ein, die GoPros Prognose nach eigenen Angaben nach unten zogen. In der letzten Märzwoche stiegen die Preise für Speicherchips um 80 bis 115 Prozent. Im April kündigten Zulieferer zudem an, die Produktion der benötigten Speicher zu drosseln.
Das senkt die erwarteten Verkaufszahlen einzelner Produkte und belastet eine feste Abnahmeverpflichtung über 24,5 Millionen US-Dollar. Im April und Mai schwächelte außerdem der Absatz im Handel.
Der Druck trifft GoPro mitten in der Neuausrichtung. Mit der kürzlich vorgestellten Mission-1-Serie versucht der Hersteller, über das Kerngeschäft mit Action-Kameras hinauszuwachsen und in den Markt kompakter Kinokameras vorzudringen.

GoPro drohen kündbare Kredite
Das größte Risiko liegt bei GoPros Krediten. Das Unternehmen hat Kreditvereinbarungen mit den Finanzfirmen Farallon Capital Management und Mateo Financing sowie eine flexible Kreditlinie bei Wells Fargo, die es nach Bedarf ziehen und zurückzahlen kann. Hinzu kommt ein Kredit über bis zu 50 Millionen US-Dollar, den GoPro im Februar 2026 mit dem Yorkville-Fonds YA II PN vereinbart hat. Diesen kann der Geldgeber sich später wahlweise zurückzahlen lassen oder in GoPro-Aktien umwandeln.
Der Geldgeber kann diese Schuld später in GoPro-Aktien umtauschen. Schon die erneute Einreichung der Bilanz mit dem Going-Concern-Hinweis könnten die Geldgeber als Verstoß gegen die Kreditverträge werten. Weil die Verträge miteinander verknüpft sind, würde ein Verstoß bei einem Kredit automatisch auch die anderen auslösen. Im schlimmsten Fall könnten die Gläubiger ihr Geld sofort zurückfordern.
Verkauf, Verteidigungsmarkt oder im schlimmsten Fall Insolvenz
Zur Gegenwehr setzt GoPro auf mehrere Hebel. Der Verwaltungsrat prüft neben einem möglichen Verkauf auch einen Einstieg in den Verteidigungs- sowie Luft- und Raumfahrtmarkt.
Dazu kommen die Prüfung eines Verkaufs nicht zwingend benötigter Vermögenswerte und der Abbau von rund 23 Prozent der Belegschaft mit Abfindungen zwischen 11,5 und 15 Millionen US-Dollar.
“Ohne zusätzliche Finanzierungsquellen oder den Abschluss einer strategischen Transaktion könnte das Unternehmen gezwungen sein, den Betrieb deutlich zu reduzieren, umzustrukturieren, einzustellen oder Schutz nach den US-Insolvenzgesetzen zu suchen”, heißt es in der Mitteilung. Konkrete Insolvenzpläne gebe es aber noch nicht.
Die Aktie schloss am 1. Juni bei 1,10 US-Dollar und damit rund 12 Prozent unter dem Vortagesschluss. 2025 stand bei einem Umsatz von 651,5 Millionen US-Dollar ein Nettoverlust von 93,5 Millionen US-Dollar, der Kassenbestand schrumpfte von 102,8 auf 49,7 Millionen US-Dollar.
via: DPReview | Beitragsbild: Jamie Fenn

