Kameras

Neue Kameras machen keine besseren Bilder – oder doch?

Wozu braucht man eigentlich neue Kameras mit all ihren technischen Spielereien? Bessere Bilder entstehen dadurch ja nicht. Oder vielleicht doch? Ein Kommentar.

Braucht man überhaupt neue Kameras?

Seit vielen Jahren gibt es in der Foto Community eine Frage, die immer wieder gerne diskutiert wird: Braucht man all diese neuen Kameras mit ihren technischen Spielereien überhaupt? Reichen die Kameras der letzten Jahre nicht inzwischen vollkommen aus? Und überhaupt: Ist es nicht der Fotograf, der das Bild macht?

Auch hier bei uns auf Photografix findet teilweise in den Kommentaren ein reger Austausch zu diesem Thema statt. Manche sind begeistert von technischen Neuerungen und aktuellen Entwicklungen der Kamerabranche, andere sehe keine Notwendigkeit für Veränderungen und Neuerungen, da man mit etwas älteren Kameras genauso gute Bilder wie mit neuen Kameras machen kann.

Ich möchte in diesem Artikel verschiedene Sichtweisen aufzeigen, wie man an das Thema herangehen kann.

Der Fotograf macht das Bild, nicht die Kamera

Wenn ich in den letzten Jahren in verschiedenen Städten an Fotoausstellungen vorbeigekommen bin, dann habe ich immer eine große Neugier verspürt. Wie sehen die preisgekrönten Bilder aus? Wie wurde mit dem Licht gearbeitet? Und bedingt durch meine Arbeit hier bei Photografix war ich natürlich auch immer neugierig, mit welchen Kameras die Bilder fotografiert wurden. Logisch, schließlich geht es ja hier primär um neue Kameras, Equipment und aktuelle technische Entwicklungen.

Früher war ich häufig überrascht, heute weiß ich im Grunde schon, was mich erwartet, wenn ich auf die Angaben zu den verwendeten Kameras schaue. Es sind in vielen Fällen wirklich alte Modelle. Hauptsächlich ältere Vollformatkameras von Canon und Nikon. Namen wie Fujifilm oder Sony sind die absolute Ausnahme.

Es wird also oftmals keine aktuelle Technik verwendet und trotzdem stechen die Bilder aus einer Masse von tausenden von Fotos heraus und sind preisgekrönt. Wie kann das sein?

Ganz einfach: Es ist der Fotograf, der das Bild macht. Nicht die Kamera! Außerdem waren die Kameras von vor ein paar Jahren ja keineswegs “schlecht”. Die Technik war schon damals so weit fortgeschritten, dass mit den entsprechenden Modellen auch heute noch hervorragende Fotos angefertigt werden können.

Fazit 1: Man braucht keine aktuelle Kamera, um tolle Bilder schießen zu können. Es ist nach wie vor der Fotograf, der das Bild macht.

Schönes Foto von Brooke Cagle, geschossen mit einer Canon EOS 5D Mark II, die inzwischen ungefähr 10 Jahre alt ist.

Warum neue Technik nützlich sein kann

Sagen wir mal ich bin Hochzeitsfotograf. Dann kann ich meine Arbeit ohne Frage mit einer älteren Kamera wunderbar erledigen. Ich stelle mich bei der Trauung in die Kirche, drücke im entscheidenden Moment den Auslöser und durchbreche mit meinen 4 Bildern pro Sekunde die Stille. Kamera ist gefühlt so laut wie ein Maschinengewehr, aber ein paar gute Bilder sind schlussendlich auf jeden Fall dabei und der Kunde ist glücklich.

Ich bin nochmal Hochzeitsfotograf. Habe jetzt aber eine neue Kamera. Spiegellos, lautloser Verschluss. Dieses Mal gibt es kein Maschinengewehr, dadurch fühle ich mich wohler, irgendwie etwas unsichtbarer. Ich traue mich näher ans eigentliche Geschehen heran, kann mit anderen Perspektiven arbeiten, ohne die Trauung zu stören. Außerdem schießt die Kamera 10 Bilder pro Sekunde und so erwische ich genau den Moment, in dem er ihr den Ring an den Finger steckt und ihr für einen kurzen Moment einen alles sagenden Blick zuwirft. Das Ergebnis ist hier jedoch das gleiche wie im ersten Fall: Ich liefere tolle Bilder und der Kunde ist glücklich.

Kameras waren schon vor sagen wir fünf Jahren technisch so ausgereicht, dass man im Grunde alles mit ihnen machen konnte. Die Frage, ob man wirklich neue Kameras BRAUCHT, kann also theoretisch mit nein beantwortet werden. Fotografen, die mit ihren Kameras vollkommen zufrieden waren und über teure Neuerungen nur geschimpft haben, gab es aber auch schon vor zehn Jahren. Genauso wie es Menschen gab, die das Internet für eine unnötige Erfindung hielten. Oder das Smartphone oder sonst irgendetwas. Theoretisch geht es immer ohne technische Neuerungen. Im Mittelalter waren die Menschen schließlich auch glücklich. Aber wenn sich die Menschheit immer mit dem zufrieden gegeben hätte, was sie gerade hat, dann wären wir heute bei Weitem nicht da, wo wir sind.

Fazit 2: Technischer Fortschritt ist Teil der Menschheit, Teil der Wirtschaft, Teil von vielem – und deshalb wichtig und nicht aufzuhalten. Außerdem kann neue Technik in vielen Situationen nützlich sein.

Klappbare Display – nicht immer notwendig, aber teilweise nützlich.

Habt Spaß am Fotografieren!

Anknüpfend an dieses Fazit 2: Ich persönlich sehe es so, dass man technische Neuerungen von aktuellen Kameras nicht zwingend BRAUCHT, aber oftmals sind es einfach nützliche Details, die verbessert werden. Etwas wie ein lautloser Verschluss zum Beispiel. Das braucht man nicht, aber bei Hochzeiten oder klassischen Konzerten fühle ich mich mit einer lautlosen Kamera einfach deutlich wohler.

Außerdem – und das ist für mich der entscheidende Punkt – habe ich persönlich einfach auch Freude an neuen Kameras und neuer Technik! Und das ist doch einer der Hauptgründe, warum wir alle überhaupt fotografieren: Es macht uns Spaß! Und ob es nun eine neue Kamera ist, die für Spaß sorgt, oder ein mit einer älteren Kamera eingefangener wunderbarer Moment, das ist eine absolut persönliche Geschichte und spielt letztendlich überhaupt keine Rolle.

Mir persönlich macht es eben Spaß, wenn ich sagen wir mal eine Fuji X-T2 in der Hand halte und der Autofokus da deutlich schneller arbeitet als bei der Vorgängerin. Würde der Autofokus der X-T1 für meine Zwecke auch ausreichen? Ja natürlich! Aber ich freue mich wie ein Schneekönig darüber, dass ich mit der X-T2 eine bessere Kamera in der Hand halte.

Fazit 3: Die Frage ist also nicht immer nur, was man als Fotograf wirklich braucht. Sondern auch, woran man Spaß hat. Ihr braucht die enormen Geschwindigkeiten der Sony A9 nicht, hättet aber ungemeinen Spaß mit der Kamera? Dann kauft sie euch, so ihr denn das nötige Kleingeld habt. 20 Bilder pro Sekunde interessieren euch nicht die Bohne? Dann bleibt bei eurer aktuellen Kamera. Aber bitte akzeptiert, dass es Menschen gibt, die Spaß an neuer Technik und an irgendwelchen Spielereien haben. Genauso wie alle Technikbegeisterten akzeptieren müssen, dass auch mit älteren Kameras hervorragende Bilder geschossen werden können und einige Fotografen eben auch genau diese Meinung vertreten.

Ganz egal welche Meinung ihr vertretet: Seid immer freundlich zueinander, schließt nicht von euch automatisch auf andere und verzichtet in den Kommentaren bitte wie immer auf persönliche Beleidigungen. 🙂

Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

Mark Göpferich

Gründer von Photografix und freiberuflicher Redakteur, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit mehr als 3.300 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.

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