Sony will Videoverwackler smarter bekämpfen als bisher. Der neue Chip greift schon bei den Sensordaten ein, kombiniert sie mit Bewegungswerten und soll so ruhigere Aufnahmen mit geradem Horizont und weniger Jello-Effekt ermöglichen.
Die elektronische Bildstabilisierung (EIS) führt oft dazu, dass das Bild stärker beschnitten wird und trotzdem nicht ganz ruhig wirkt. Sony möchte dies mit einem eigenen Chip verbessern. Er verbindet die Bilddaten des Sensors direkt mit den Bewegungsdaten und greift sehr früh in die Verarbeitung ein, noch bevor das Bild vollständig berechnet wurde.
Sony Semiconductor Solutions stellt dafür den CXD5254GG vor. Dieser Chip sitzt zwischen Bildsensor und Bildprozessor. Zusätzlich nutzt er eine IMU (Inertial Measurement Unit, eine Bewegungssensoreinheit) mit sechs Messrichtungen, die Drehungen und Erschütterungen erkennt. Damit soll der Chip Wackler im Video ausgleichen, den Horizont gerade halten und Unschärfe durch Bewegung verringern. Sony nennt außerdem das Ziel, den sogenannten Jello-Effekt zu reduzieren, also das typische Wabern bei Rolling-Shutter-Aufnahmen.
Stabilisierung mit geringer Verzögerung
Der Chip nimmt die Rohdaten direkt vom Sensor auf, korrigiert sie mithilfe der Bewegungsdaten und gibt sie anschließend wieder als Rohdaten weiter. Für die Live-Nutzung soll das schnell genug sein. Sony gibt eine Verzögerung von etwa anderthalb Einzelbildern an.

Module für den Profi-Einsatz
Der Chip soll für Videoanwendungen stabilere und weniger wackelige Bilder mit klarerem Bildausschnitt direkt aus sehr kleinen und leichten Kameramodulen liefern. Das ist vor allem für Racing-Onboards, Drohnen, Action-Cams, Sicherheitslösungen und Robotik-Anwendungen von Vorteil, also überall dort, wo wenig Platz ist und die Kamera trotzdem stark in Bewegung sein kann.
Auch für die Fotografie kann es indirekte Vorteile geben. Obwohl das Konzept klar auf Video ausgerichtet ist, lassen sich aus einem stabilisierten Full-HD-Stream leichter brauchbare Einzelbilder oder Serienbild-Frames extrahieren, zum Beispiel für Sport- und Action-Motive.
In Sicherheits- und Industrieumgebungen (für die Sony kürzlich erst neue Sensoren präsentiert hat) kann die Stabilisierung zusammen mit Kontrastoptimierungen dabei helfen, Personen, Kennzeichen oder Objekte besser zu erkennen, selbst wenn die Kamera oder das Motiv stark in Bewegung sind. Für klassische Systemkameras ist der Chip weniger direkt gedacht.
via: Image Sensors World

