Nikon • Objektive

Nikon und RED rücken enger zusammen, neue Objektive und neue Firmware

Nikon macht seine Cine-Pläne konkret. Eine Objektivserie und eine neue Firmware sollen die ZR im Profibereich verankern.

Nikon hat drei Tage vor der IBC 2026 in Amsterdam zwei Entwicklungsankündigungen veröffentlicht. Der Hersteller arbeitet an einer Serie von neun Kinoobjektiven mit der Bezeichnung Nikkor Z Cinema T1.9 VV und an der Firmware 2.00 für die Nikon ZR. Wer mit der ZR filmt oder über den Kauf nachdenkt, bekommt damit erstmals einen Fahrplan für die kommenden Monate.

Neun Festbrennweiten mit T1.9

Nikon nennt bisher nur eine einzige Brennweite, das Nikkor Z Cinema 50mm T1.9 VV. Insgesamt soll die Serie neun Objektive umfassen, eine Reihenfolge oder weitere Brennweiten nennt der Hersteller nicht. Die Angabe T1.9 steht für die tatsächlich gemessene Lichtstärke nach den Transmissionsverlusten im Glas und ist im Kinobereich üblicher als der rechnerische Blendenwert. Der Serienname deutet darauf hin, dass alle neun Objektive diese Lichtstärke teilen.

Der Bildkreis deckt erstmals bei einer Nikkor-Serie das VV-Format ab, also den 40,96 x 21,60 mm großen Sensor der RED V-Raptor [X]. Weil es sich um Z-Mount-Objektive handelt, passen sie ebenso an Nikons eigene Z-Kameras. Die V-Raptor [X] und die Komodo X sind seit Anfang 2025 mit Z-Mount erhältlich. Nikon nennt außerdem einen hochpräzisen Autofokus, was bei dedizierten Kinooptiken ungewöhnlich ist. Ein Teaser-Video von der NAB Show im April hatte den AF-Betrieb bereits angedeutet.

Firmware 2.00 bringt RED-Farbraum in den H.265-Codec

Die Firmware 2.00 für die Nikon ZR unterstützt die Gammakurve Log3G10 und den Farbraum REDWideGamutRGB künftig auch bei Aufnahmen im Codec H.265. Bisher stand diese Kombination nur im RAW-Format R3D NE zur Verfügung. Nikon verspricht kompakte Dateigrößen bei viel Spielraum für das Color Grading.

Eine wählbare Stufe für die Rauschreduzierung bei hohen ISO-Werten im H.265-Log-Modus kommt hinzu, ebenso eine Focus-Peaking-Anzeige während der Aufnahme im RAW-Format R3D NE. Nikon will das Update noch dieses Jahr ausliefern. Das erste größere Update war Firmware 1.10 im Januar.

Open Gate und Desqueeze kommen erst 2027

Zwei Funktionen liefert Nikon später nach. Open Gate, also die Auslesung der kompletten Sensorfläche, und eine Desqueeze-Anzeige für anamorphotische Objektive sollen 2027 in die ZR-Firmware wandern. Nikon bezeichnet beide als häufig gewünscht. Open Gate beherrscht die ZR bislang nicht, das war schon vor dem Marktstart ein Thema. Die von Fans gewünschte Aufnahme auf externen SSDs fehlt damit also auch weiterhin.

RED aktualisiert parallel die Anwendungen RED CONTROL und RED CONTROL PRO, sodass sich die ZR damit fernsteuern lässt.

RED zeigt auf der IBC Live-Broadcast-Technik

RED bespielt in Amsterdam einen eigenen Stand in Halle 11 und rückt dort den Live-Betrieb in den Mittelpunkt. Im Zentrum steht ein Boxring, über dem V-Raptor-Kameras mit zwei Fisheye-Objektiven hängen und 8K-Video mit 50 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Das Signal läuft über RED Connect per Glasfaser in Echtzeit auf Apple-Vision-Pro-Headsets und ergibt eine 180-Grad-Übertragung.

Daneben demonstriert RED eine komplette Broadcast-Kette mit der V-Raptor XL [X] und der V-Raptor [X], inklusive Superzeitlupen in 4K mit 240 Bildern pro Sekunde und einem Regiepult mit Kamerafernbedienungen. Das Cine-Broadcast-Modul kam zuletzt bei Produktionen von CBS Sports und NBC Sports zum Einsatz sowie bei Live-Übertragungen auf Netflix.

Preise und Verkaufstermine für die Objektive bleiben offen, Nikon spricht ausdrücklich von einer Entwicklungsankündigung. Auf der IBC vom 11. bis 14. September könnte der Hersteller mehr zeigen. Nach einem bisher ruhigen Produktjahr ist damit zumindest die Cine-Sparte wieder mit Neuigkeiten versorgt.

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10 Kommentare
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BEN

Boah, ich dachte, Nikon sei tot. Aber vielleicht doch noch nicht.

Patrick > Original Gangsta Dawg

Das würden sich die Hater vielleicht wünschen. Aber so ist es natürlich nicht! Die Nachfrage ist weiterhin sehr hoch! Die ganzen Kommentare hier zeigen doch, wie aufgeregt schon alle auf diese 9 neuen Objektive sind. 😁👍

Markus S.

Es warten zumindest viele auf Open-Gate bei der ZR.

Die Objektive spielen wohl eher in einer Liga die sich die Mehrheit hier wohl nicht leisten möchte und Cinema-Linsen ist nicht direkt der Fokus der meisten hier im Forum glaube ich.

Patrick > Original Gangsta Dawg

Der Wandel zur Videomarke wird dazu führen, dass Nikon perspektivisch viele Fotografen als Kunden verliert. Gleichzeitig gewinnt man nur wenige Videografen als Neukunden, die aber immerhin recht zahlungskräftig sind. Wie das für Nikon wirtschaftlich ausgeht, vermag ich nicht einzuschätzen. Ich gehe aber davon aus, dass die Marke für die breite Masse an Bedeutung verlieren wird. Diese Entwicklung kann man bereits jetzt beobachten.

Markus S.

Weiß nicht, glaube nicht direkt. Sie sind im Fotobereich stark aufgestellt und weitere Hybridmodelle an Kameras machen in beiden Spielarten viel richtig.

BEN

Ich traue mir eine Prognose nicht zu. Es ist sicher ein gewagter Schritt für Nikon, aber wahrscheinlich ein nahezu unausweichlicher, spätestens nach dem Erwerb von RED.
Die Objektive werden sicher ziemlich teuer. Wenn man bedenkt, dass das 28-135 F4 Powerzoom ca 2000 bis 2500 Euro kostet und Nikon mit der ZR eine relativ preiswerte Cinecam hat, hoffe ich heimlich auf einen recht moderaten Preis der neuen Cineobjektive. Damit meine ich einen Preis zwischen 1500 und 3000 Euro. Es kann aber sehr gut sein, dass so ein Objektiv auch mal zwischen 7000 und 10000 kosten kann. Man muss abwarten.
Ich denke, dass Nikon auch weiterhin die Fotosparte bedienen wird. Sie sind ja eh nicht so schnell mit neuen Modellen. Der Fotomarkt allein wird deshalb wohl nicht mehr reichen zum Überleben. Da kann Video in der preislichen Mittelklasse schon ein attraktives Zugeschäft werden. Ich vermute das auch als Nikons zukünftige Strategie. Im Moment scheinen sie die Orientierungsphase zu Ende gebracht zu haben.

Klaus

Das sind reichlich romantische Vorstellungen, was denn ein CINE-Objektiv so kostet. Empfehle die Internetsuche nach ARRI Signature Teltec -> ok, Teltec ist insolvent, aber der Preisrahmen ab ca. 30.000€ aufwärts steht (für das Arri 35mm 1.8).
Das Nikon Powerzoom reizt mich nicht, 28mm nach unten ist viel zu lang, F4 uninteressant und irgendwann hat man bei Video die zoom&pan Phase hinter sich gelassen und braucht den Zoom während der Aufnahme nicht. Da ist bei Nikon das neue 2.8/24-70 mit Innenzoom die deutlich attraktivere und vielseitigere Lösung, kostet auch nicht mehr und für Foto auch noch gut zu gebrauchen. Dank Innenzoom auch am Gimbal bei unterschiedlichen Brennweiten nutzbar, ohne den Gimbal jedesmal bei Brennweitenwechsel wegen Gewichtsverlagerung neu ausrichten zu müssen.
Ansonsten sollten die Fotografen unter den DSLM usern – zähneknirschend – akzeptieren, dass die Hersteller (alle) gnädigerweise eine Fotofunktion in diesen Videokameras implementierten und hoffentlich zukünftig weiter mit anbieten.

BEN

Ja, das mag stimmen. Meine Vorstellungen sind da vielleicht wirklich etwas “romantisch”, wie du schreibst. Allerdings muss man sich vielleicht nicht an den teuren Zeiss-Cine-Primes orientieren oder an Arri. Zeiss hat kürzlich die neue Nano-Serie an Cineobjektiven veröffentlicht. Die haben ja mit den günstigsten E-Mount- Cinecams wie der FX5 ein ähnliches Problem wie Nikon. Die Nanos liegen wohl so um die 4000 € pro Stück. Ich denke möglicherweise wird sich Nikon an diesem Preisrahmen orientieren, so hoffe ich zumindest. Wobei mir 4000 € für ein Cineobjektiv als Amateur natürlich auch zu viel sind. Da gibts inzwischen auch sehr interessante preiswerte Alternativen.

BEN

Kleine Korrektur zu meinem Text, bei dem was fehlt. Es sollte heißen, dass Sony (nicht Zeiss) mit der FX5 ein ähnliches Problem hat wie Nikon, dass man für eine 5000 Euro Kamera nicht unbedingt 3 Primes zu je 20000 Euro nutzen möchte. Wobei Primes in dieser Preisordnung sowieso eher gemietet als gekauft werden. Wenn ich als Hersteller aber ein Portfolio aufbauen möchte, um auch Kameras im Amateurbereich mit Cine-Objektiven zu versorgen, wäre ein Einstiegspreis über 5000 pro Stück schon ziemlich heftig für die Zielgruppen, den Amateur- oder Independantbereich.

Markus S.

Ich denke die Objektive werden teurer als die entsprechenden Foto-Pendants wie z.B. das 50 1.2.
Denke fast über 3000 und ja, das ist für Cinema Objektive günstig.

Es ist ja eh alles hybrid, also jede Kamera kann Foto und Video. Sie werden weiterhin diese Schiene fahren und zusätzlich Videozentrische Modelle bringen. Die HighEnd Modelle sehe ich fast eher unter der RED Marke. Die hat in dem Bereich ja schon einen bekannten Namen.

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