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Test: Galaxy AI auf Samsungs teuerstem Smartphone braucht noch Zeit

Um dem Gefühl einer Kompaktkamera möglichst nahe zu kommen, habe ich direkt zu Beginn meines Experiments die Standard-Kamera-App durch Expert RAW ersetzt. Die App richtet sich an Nutzer, die mehr Kontrolle über ihre Aufnahmen wollen, und lässt sich kostenlos über den Galaxy Store herunterladen. Im Gegensatz zur vorinstallierten Kamera-App verzichtet Expert RAW auf automatische Szenenoptimierung und KI-gestützte Nachbearbeitung und liefert stattdessen möglichst unverfälschte Ergebnisse.

Die aufgeräumte und nüchterne Oberfläche bietet Zugriff auf diverse Einstellungen mit einer durchdachten und gut erreichbaren Einhandbedienung, wie man sie von einer klassischen Kamera kennt: Verschlusszeit, ISO, Weißabgleich. Nicht immer erschließen sich die Icons auf Anhieb, aber wer schon einmal eine Kamera manuell bedient hat, findet sich schnell zurecht.

Was beim Fold 7 allerdings fehlt, ist die Kontrolle über die Blende. Motive, die längere Belichtungszeiten erfordern, lassen sich daher nur begrenzt einfangen und müssen in der Nachbearbeitung gerettet werden. Dafür nimmt Expert RAW, wie der Name schon verrät, neben JPGs auch Aufnahmen im RAW-Format auf. Hier im Artikel zeige ich euch aber die unveränderten JPGs direkt aus der Kamera (die wir wie immer für die Webansicht komprimiert haben).

Galaxy AI

Jetzt aber zu Galaxy AI, wofür ich das Galaxy Z Fold 7 ursprünglich zur Verfügung gestellt bekommen habe. Künstliche Intelligenz dringt immer stärker in die Smartphone-Fotografie vor. Gerade Google spielt mit seinen generativen Bearbeitungsfunktionen ganz vorne mit. Samsung scheint bei der Integration von KI in die bestehende Plattform allerdings etwas hinterherzuhängen, ähnlich wie Apple.

Das liegt nicht an der Zugänglichkeit, die ist wirklich gut gelöst. Beinahe wie von selbst landet man direkt aus der Galerie in der Bildbearbeitung und damit bei den drei KI-Funktionen, die aktuell zur Verfügung stehen: Generative Bearbeitung, Skizze zu Bild und Porträt Studio. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Bei den letzten beiden schöpft Samsung bei Weitem nicht das Potenzial aktueller KI-Modelle aus. Aber der Reihe nach.

Generative Bearbeitung

Generative Bearbeitung ist wohl das Feature, das die meisten im Alltag nutzen würden. Damit lassen sich Objekte per Fingertipp auswählen oder mit einer Bereichsmarkierung einkreisen und anschließend entfernen. Der Hintergrund wird dabei sinnvoll aufgefüllt. Im Vergleich zu den anderen KI-Funktionen hat mich dieses Feature wirklich beeindruckt. Nicht nur bei einfarbigen Hintergründen, sondern auch bei komplizierteren Strukturen lassen sich störende Objekte im Handumdrehen wegzaubern.

Lediglich die Auswahl kann manchmal durch eine ungenaue Kantenerkennung zur Fummelei werden. Alternativ lassen sich Objekte auch verschieben, was erwartungsgemäß ähnlich gut funktioniert. Der praktische Nutzen hat sich mir in meinem Test allerdings nicht wirklich erschlossen.

Bearbeitete Bilder erhalten einen kleinen Wasserzeichenhinweis in der rechten unteren Ecke, der sich allerdings leicht wegschneiden ließe. Zusätzlich bettet Samsung in die bearbeiteten Dateien einen Content Credential ein, also einen maschinenlesbaren Herkunftsnachweis, der dokumentiert, dass das Bild mit KI verändert wurde.

Spannender wird es, wenn man die generative Bearbeitung zum Ändern der Bildausrichtung nutzt. Dreht man den Bildausschnitt, füllt die KI die fehlenden Bereiche am Rand automatisch auf, im Grunde eine Art intelligentes Erweitern des Fotos. In meinen kurzen Tests hat das täuschend echt funktioniert, selbst bei komplexeren Szenen waren die ergänzten Bereiche kaum vom Original zu unterscheiden. Wer also beim Fotografieren den Horizont nicht ganz gerade erwischt hat oder nachträglich etwas mehr Raum um das Motiv braucht, bekommt hier ein wirklich nützliches Werkzeug an die Hand.

Skizze zu Bild

Während so etwas wie das Wegradieren von Objekten auf einem Smartphone 2026 niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt, bewegen wir uns mit der zweiten Funktion in die Gefilde dessen, was man von generativer KI heutzutage eigentlich erwarten darf. Die Idee hinter Skizze zu Bild ist eigentlich ganz cool und macht gerade auf einem Foldable total Sinn: den großen Bildschirm ausnutzen, einfach ins Bild zeichnen, was man sehen will, und ein paar Augenblicke später erscheint es an der Stelle. Das krankt nur leider an mehreren Stellen.

Hier fällt zunächst der fehlende Stift-Support wieder schmerzlich auf, denn mit dem Finger bringt man, sofern man nicht äußerst fingerfertig ist, kaum sinnvolle Zeichnungen auf dem Bildschirm zustande, mit denen die KI irgendetwas anfangen könnte. Was allein schon helfen würde, wäre ein Textfeld, um der KI zusätzliche Informationen mitzugeben, doch das Hinzukritzeln von Text wird direkt geblockt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Modell den Kontext und Stil des bestehenden Bildes praktisch völlig außer Acht lässt, wodurch die generierten Elemente wie Fremdkörper im Foto wirken. Selbst der Bildbereich, in dem die Skizze platziert werden kann, ist begrenzt. Wie stark genau, verrät Samsung nicht, quittiert eine zu große Auswahl aber mit einer Fehlermeldung.

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Thorsten

Ich bin nach wie vor mit meinem Samsung S24 hoch zufrieden, mehr will ich gar nicht.
Die Kamera mit den 3 Objektiven ist gut, wenn ich mehr will, nehme ich meine Fotoausrüstung.
Das werde ich wohl so lange behalten, bis es keine Updates mehr gibt und neue Apps die ich installieren möchte, nicht mehr laufen.
Mein Vorgänger- Sony Smartphone hatte ich 8 Jahre, oder war es noch länger?
Für den Preis des neuen Handys kaufe ich mir lieber ein tolles Objektiv, für meine richtigen Kameras.

Stefan Zimmermann

Ist das eigentlich immer noch so, dass es bei den Faltphones so eine spezielle Schutzfolie gibt, die sich nach 1–2 Jahren ablöst und die man nicht selbst entfernen oder neu aufbringen darf? Während der Garantiezeit macht Samsung das, glaube ich, einmal kostenlos. Danach hat man aber ständig Folgekosten. Sie weisen auch darauf hin, dass es zu Komplikationen kommen kann und dann sogar das flexible Display ersetzt werden muss. Das ist man dann schnell nochmals 1000€ los. Innerhalb der Garantie ist das kein Problem – aber danach? Da steht man doch gefühlt immer mit einem Bein im Defekt drin. Ich hätte da keinen Bock drauf. Solche Alltagsgegenstände müssen einfach funktionieren, egal ob zuhause, in der Wüste oder bei –30 °C im hohen Norden. Das Ding muss robust und zuverlässig sein. Von daher würde ich mir so ein Foldable aktuell nicht kaufen. Ich finde die Kombination aus einem echten 15″-Tablet und einem normalen Smartphone viel geschickter, robuster und günstiger. Und seien wir ehrlich: Aufgeklappt ist es immer noch kein echtes Tablet. Und ein 15″-OLED Display in einem echten Tablet macht gerade für Fotografen viel mehr Spaß, und diese dicken Balken wegen des komischen Formfaktors der Foldable stören mich zusätzlich. Ich habe keine… Weiterlesen »

Thorsten

Zustimmung! Danke für die Info

Rene Stämpfli

Vor ein paar Tagen hatte ich mein altes Samsung S2 in einer Schublade gefunden. Der Akku war etwas aufgebläht. Ein neuer ist tatsächlich noch erhältlich. Kostet CHF 12.00. Suche noch das Ladegerät. Dann läuft das alte Ding hoffentlich wieder mit meiner alten LINUX installation von damals. Nix Android. Nix Ueberwachung. Hat einen gewissen sentimentalen Wert aus meiner Hacker Zeit.

Vitalik

Ich selbst bin absoluter HighEnd Smartphone Nutzer.
Für mich heißt es alle 2-3 Jahren das Beste Smartphone was der Markt zu bieten hat (1. Stelle immer Kamera Hardware Leistung).

Bis heute hat mich die Fold Smartphones überzeugt,

Es ist eben absolute Niche.

Auch aus der Sicht eines Fotografen,
ergibt die Seiten Verhältnisse keinen Vorteil.
Da greife ich lieber, gleich zum Tabs bzw Notebooks.

Alfred Proksch

Mit den geschriebenen gedruckten Kommentaren/Meinungen zur Smartphone Fotografie ließen sich die Zentralalpen nachbauen. Meine Gattin benutzt mit großer Freude die Foto/Videofunktionen ihres Smartphones.

Es geht dabei NICHT darum wie GUT oder weniger gut die Bildergebnisse sind, das ist kein Thema für sie, ihr Anliegen sind die Vorteile der sofortigen Verfügbarkeit sowie das problemlose „teilen“ mit den ihr nahe stehenden Menschen.

Von der Erzgewinnung bis zum fertigen SP waren die Umweltschäden enorm. Der weitere System bedingte Energieaufwand damit Dateien in einer Cloud vor sich hin gammeln oder die 10 Sende/Empfangsmasten pro 10.000 Einwohner sind „Kollateralschäden“, da kann man halt nichts machen will man die Vorteile täglich nutzen. Bitte meine Äußerung NICHT als Kritik oder Meckerei sehen es sind nur gerne übersehenen Nebensächlichkeiten.

Sehe ich mir die gezeigten Bilder an und was sich mit Hilfe von ausgefeilter automatisierter Bildbearbeitung machen lässt erklärt sich der Erfolg von Smartphones von selbst.

Persönlich wegen den aufgeklebt wirkenden Fotomodulen einen Aufstand machen? Geschäftlich nützliche Bilder oder Videos sollen sie liefern das reicht mir – egal wer der Hersteller ist.

licht+perspektive

“Sehe ich mir die gezeigten Bilder an und was sich mit Hilfe von ausgefeilter automatisierter Bildbearbeitung machen lässt erklärt sich der Erfolg von Smartphones von selbst”

Vorausgesetzt, dass die Hardware (und Bildgestaltung) dann auch noch mit Sachkunde bedient wurden; sind die Ergebnisse in der Tat erstaunlich!

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