Nach Kritik rudert Camera Intelligence bei der Caira zurück. Die offene KI-Bearbeitung weicht vordefinierten Funktionen.
Camera Intelligence hat auf die Kritik an seiner MFT-Kamera Caira reagiert und die generativen KI-Funktionen deutlich eingeschränkt. Das gab CEO Vishal Kumar im Gespräch mit PetaPixel auf der CP+ bekannt.
Als Camera Intelligence die generative Bearbeitung per Googles Nano Banana im Oktober vorstellte, sei das Konzept “extrem roh, früh, neuartig und nebulös” gewesen, räumte Kumar ein. Komplexe Nachbearbeitungstechniken, die bisher Software wie Lightroom oder Photoshop am Laptop erforderten, sollten sich in Echtzeit per Texteingabe direkt in der Kamera-App umsetzen lassen. Ich hatte mich nach der Vorstellung bereits kritisch mit dem Gadget auseinandergesetzt und konnte die allgemeine Begeisterung bei diversen Foto-Influencern nicht nachvollziehen.
Nach der Ankündigung stellte Camera Intelligence Prototypen unter anderem Tony Northrup, Jimmy Cheng und Emily Lowrey zum Testen bereit. Das Ergebnis war ernüchternd: Der offene Prompt-Zugang führte dazu, dass Testpersonen eher vage oder unsinnige Eingaben machten, statt die Funktion gezielt zu nutzen. Auf Basis dieses Feedbacks, der YouTube-Kommentare und Workshops mit Creatorn in London hat Camera Intelligence nun den Kurs korrigiert.
Definierte Prompts statt Freitextfeld
Konkret wurde das offene Eingabefeld für KI-Prompts entfernt. Stattdessen gibt es jetzt zwölf vordefinierte Schaltflächen für spezifische Bearbeitungen, etwa das Entfernen störender Objekte oder Transformationen im Stil vergangener Jahrzehnte ähnlich zu Fujifilms Instax Mini Evo Cinema. Jeden Monat soll eine weitere Funktion auf Basis von Community-Feedback hinzukommen – finde ich eigentlich eine ganz schöne Idee. Wie eine schlechte Umsetzung solcher fester Promts aussehen kann, habe ich aber auch gerade erst bei Samsungs Galaxy AI feststellen müssen.
Kumar betonte, dass es bei der KI-Integration nie darum gegangen sei, fiktive Bilder zu erzeugen: “Wir sind entschieden gegen KI-Schrott. Wir glauben, dass die reale Welt schön und interessant ist und dass echte Erinnerungen bewahrt werden sollten.” Man sei aber bereit, die Möglichkeiten der Technologie auszuloten, und wolle gemeinsam mit der Community lernen.
Gain Map, Schwachlichtmodus und Super-Auflösung
Neben der KI-Überarbeitung stellte CTO Liam Donovan neue Kamerafunktionen vor, die gänzlich ohne generative KI auskommen. Caira-JPEGs enthalten künftig eine versteckte Gain Map für die Kompatibilität mit HDR-Displays, ein Feature, das bei herkömmlichen Kameras noch selten ist.
Ein neuer Schwachlichtmodus stapelt mehrere schnell hintereinander aufgenommene Bilder mit unterschiedlichen Belichtungen, um Rauschen zu reduzieren. Anders als bei Smartphones wird das Prinzip hier mit einem größeren MFT-Sensor und Wechselobjektiven kombiniert (wobei es ein ähnliches Feature ja auch z.B. in Canon-Kameras gibt). Laut Donovan friere der Sucher dabei nicht ein, sodass sich kontinuierlich gestapelte Fotos aufnehmen ließen. Möglich mache das der leistungsstarke Qualcomm-Snapdragon-Prozessor.
Zusätzlich arbeitet das Team an einer “Handheld-Superresolution”, die die Auflösung von 11 auf 44 Megapixel steigern soll. Dieses Feature befindet sich noch in einer frühen Testphase. Kumar betonte außerdem, dass Funktionen wie Autofokus, Weißabgleich und Tone-Mapping auf kleinen neuronalen Netzwerken basieren, die auf dem Gerät laufen, aber keinerlei generative Fähigkeiten besitzen. Alle generativen Funktionen seien vollständig optional und existierten ausschließlich als Nachbearbeitungswerkzeuge.
Camera Intelligence scheint die berechtigte Kritik ernst zu nehmen und rückt nun stärker die eigentlichen Kamera-Qualitäten in den Vordergrund – also genau das, was das Produkt von Anfang an hätte ausmachen sollen. Restlos überzeugt hat mich das Konzept aber immer noch nicht.


Die MFT-Kamera Caira finde ich als Idee klasse. Besonders bemerkenswert ist das zukünftige „Benutzer“ mitsprechen dürfen.
Das Konzept an sich wäre nicht verkehrt.
Aber was dem Ganzen das Genick brechen wird, ist, dass man für den vollen Funktionsumfang ein Abo abschließen muss. Wenn ich eine Hardware besitze, will ich nicht noch zusätzlich monatlich für Zeug zahlen, das ich auf meinem Handy gratis machen kann.