Drohnen Kaufberatung

Regeln für Drohnen in Deutschland: Das dürfen DJI Mavic Air 2 und Co.

Welchen Regeln obliegt die Nutzung von Drohnen in Deutschland? Auf diese Dinge solltet ihr vor dem Kauf von DJI Mavic Air 2 und Co. achten.

Seien es technische Innovationen oder der Drang, endlich wieder nach draußen zu gehen – die Vorstellung der neuen DJI Mavic Air 2 weckt bei vielen das Interesse, sich eine eigene Kameradrohne zuzulegen. Schließlich werden die High-Tech-Fluggeräte immer günstiger, lassen sich kinderleicht fliegen und warten mit starken Kamera-Features auf. Was auf dem Papier vielversprechend aussieht, wird in Deutschland allerdings durch etliche Regeln eingeschränkt.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (nachfolgend: BMVI) hat diesbezüglich zuletzt im März 2020 aktualisierte Bestimmungen veröffentlicht, die ich euch nachfolgend einmal zusammengefasst habe. Darüber hinaus werfen wir auch einen Blick auf die Software der Hersteller und ziehen am Ende ein Fazit darüber, ob sich die Investition in eine Drohne lohnt.

Voraussetzungen zum Drohnenflug

Quelle: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur

Haftpflichtversicherung für Drohnen

Für Drohnen herrscht in Deutschland eine Versicherungspflicht. Zum Anschaffungspreis kommen also eventuell laufende Kosten einer Drohnen-Haftpflichtversicherung hinzu. Der Versicherer HDI versichert Drohnen in seiner Privat-Haftpflichtversicherung bereits mit, weist aber darauf hin, dass ihr den Versicherungsnachweis beim Fliegen mitführen müsst. Anderenfalls begeht ihr eine Ordnungswidrigkeit.

Darüber hinaus wird beim Fliegen von gewerblichen Drohen und von Geräten über fünf Kilogramm eventuell eine spezielle Drohnen-Versicherung nötig. Hier solltet ihr euren Versicherer kontaktieren und nach einer solchen Versicherung fragen. Gleiches gilt für eure private Haftpflichtversicherung beim Thema Drohnenflug.

Plakettenpflicht für Drohnen

Jede Drohne und jedes Modellflugzeug, das über 0,25 Kilogramm wiegt, muss in Deutschland mit einer brandfesten Plakette versehen sein. Diese bekommt ihr in etlichen Onlineshops und zahlt für das bedruckte Metallschild mit Versand rund 10 Euro. Die meisten im Handel erhältlichen Kameradrohnen sind schwerer als 250 Gramm und müssen folglich mit einer Plakette versehen werden.

Der Hersteller DJI führt mit der DJI Mavic Mini eine Kameradrohne im Sortiment, die genau 249 Gramm wiegt. Theoretisch könnt ihr diese Drohne also auch ohne Kennzeichen fliegen. Viele Drohnenbesitzer empfehlen das Anbringen einer Plakette dennoch, da sie die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass jemand eure Drohne bei Verlust oder bei einem Absturz zu euch zurückbringt. Spielzeugdrohnen sind häufig ebenfalls leichter als 250 Gramm und dürfen somit ohne Plakette genutzt werden. Sind sie schwerer, wird auch hier eine Plakette zur Pflicht.

Prüfungspflicht für Drohnenpiloten

Übersteigt eine Drohne das Gewicht von 2 Kilogramm, so müsst ihr neben der Plakette als Pilot eine Prüfung ablegen. Die umgangssprachlich auch “Drohnen-Führerschein” genannte Prüfung muss dabei bei einer vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannten Stelle abgelegt werden. Ein Blick ins Internet verrät: Zu dem Kauf einer Drohne müsst ihr eventuell mit Zusatzkosten von 200 bis 500 Euro für den Drohnen-Führerschein rechnen. In der Prüfung werden laut Drohnen.de drei Fächer abgefragt. Auf Prüfungsfragen aus den Kategorien “Flugbetrieb und Navigation”, “Meteorologie” und “Luftrecht” solltet ihr euch vor dem Führerschein vorbereiten.

Einrichtungen, bei denen ihr den Führerschein ablegen könnt, gibt es in ganz Deutschland. Mindestflugstunden oder eine Prüfung eurer Flugkenntnisse gibt es hierbei nicht. Bleibt ihr beim Drohnenkauf im Hobby-Sortiment, braucht ihr euch um den Drohnenführerschein allerdings keine großen Sorgen zu machen. Die DJI Phantom 4 Pro II wiegt in etwa 1,3 Kilogramm und gehört zu den größeren Fluggeräten für Hobby-Piloten. Auch bei anderen Herstellern finden sich kaum Hobby-Drohnen über 2 Kilogramm.

Eine Ausnahme ist hier der Betrieb auf Modellflugplätzen. Sobald ihr euch mit eurer Drohne nur im Bereich des Flugplatzes bewegt, braucht ihr für den Betrieb auch mit Drohnen über 2 Kilogramm keine Prüfung abzulegen. Sobald ihr das Gelände verlasst oder in Höhen über 100 Meter steigt, müsst ihr den Kenntnisnachweis besitzen.

Plant ihr allerdings, eurer eigenen Kamera das Fliegen beizubringen, oder wollt professionelle Filmaufnahmen aus der Luft aufnehmen, wird der Führerschein wieder relevant. DJI verkauft z.B. in seiner Enterprise-Serie Drohnen, die sogar mit mehr als 11 Kilogramm Gesamtgewicht abheben können. Wollt ihr in Deutschland mit einem solchen Gesamtgewicht in die Luft starten, wird es kompliziert.

Flugerlaubnis bei Drohnen über 5 Kilogramm

Bringen Drohne und Kamera-Equipment mehr als 5 Kilogramm auf die Waage, müsst ihr euch eine Aufstiegserlaubnis von den Landesluftfahrtbehörden einholen. Diese kann je nach Behörde noch einmal 100 bis 200 Euro pro Flug kosten, sofern ihr keine Allgemeinerlaubnis bekommt, die gleich mehrere Jahre gilt. Zu den benötigten Unterlagen gehören hier ein Datenblatt eurer Drohne, ein Versicherungsnachweis, ein Kenntnisnachweis, euer Drohnenführerschein inklusive weiterer persönlicher Daten, eine Beschreibung des Zwecks eures Fluges sowie eine Genehmigung des Grundstückseigentümers.

Die DJI Mavic Air 2 wiegt 570 Gramm, man braucht für sie also keinen Führerschein.

Voraussetzungen erfüllt? Hier ist der Drohnenflug verboten

Habt ihr alle oben genannten Bedingungen erfüllt, könnt ihr mit der Drohne in die Luft starten. Pfeift ihr dabei schon Reinhard Mey’s “Über den Wolken”, werdet ihr womöglich schnell ausgebremst. Denn die Freiheit beim Drohnenflug ist alles andere als unendlich, denn hier erwarten euch etliche Flugverbotszonen. Laut BMVI zählen hierzu:

  • Der Luftraum über 100 Metern Höhe
  • Naturschutzgebiete
  • Wohngrundstücke
  • Menschenansammlungen
  • Einsatzorte der Polizei und Rettungskräfte
  • Bundes- oder Landesbehörden sowie Verfassungsorgane
  • Kontrollzonen von Flugplätzen
  • Industrieanlagen
  • Außer Sichtweite

Zur Orientierung gibt es für Drohnenpiloten detaillierte Karten im Internet oder per Smartphone-App. Wollt ihr direkt einen Blick auf euren Wohnort werfen, könnt ihr euch die Webseite Map2Fly anschauen. Einen kurzen Eindruck habe ich euch im folgenden Screenshot festgehalten:

Quelle: Map2Fly

Um euch von den Sperrzonen zu befreien, solltet ihr Städte also am besten ganz verlassen. Für gewerbliche Zwecke gibt es auch in Städten Sondergenehmigungen, die ihr euch vor dem Flug einholen könnt. Hier macht die App eurer Drohne euch aber im letzten Moment wahrscheinlich einen Strich durch die Rechnung.

“No-Fly-Zones” in Smartphone-Apps

Zum Fliegen eurer Drohne nutzt ihr in der Regel einen mitgelieferten Controller in Verbindung mit einer Smartphone-App. Hier seht ihr nicht nur das Live-Kamerabild eurer Drohne und nützliche Informationen, Drohne und Smartphone werden auch per GPS-Modul geortet. Drohnen-Hersteller wie DJI erteilen ihren Apps sogenannte “No-Fly-Zones” und das kann trotz Sondererlaubnis ein Problem werden.

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Ein Video des YouTube-Kanals “Andreas Abb” veranschaulicht das ganz gut. Trotz der Flugerlaubnis auf einem Privatgrundstück verhinderte die DJI-App einen Abflug und somit auch die geplanten Videoaufnahmen. Ein zweischneidiges Schwert – zwar schützt euch die App vor ungewollten Verstößen gegen das Gesetz, allerdings nimmt sie euch ein großes Stück Entscheidungsfreiheit und Eigenverantwortung aus der Hand.

Freiheit vs. Privatsphäre – ein Zwiespalt

Kameradrohnen werden immer leistungsstärker und einfacher zu bedienen. Womöglich kann jeder mit ein bisschen Know-how das neuste DJI-Modell zusammenstecken, anschalten und theoretisch im zehn Kilometer entfernten Nachbarort in ein offenes Fenster filmen – bildstabilisiert und in hochauflösendem 4K. Für unser aller Privatsphäre ist das natürlich eine Katastrophe und ich denke, niemand möchte beim Duschen plötzlich eine Drohne vor dem Fenster sehen.

Zu Recht obliegt der Drohnenflug in Deutschland daher strengen Auflagen, die vom Drohnenpiloten und auch von den Herstellern eingehalten und eingearbeitet werden müssen. Durch diese Einschränkungen wird das Hobby, ein guter Drohnenpilot zu sein sowie auch der berufliche Einsatz aber sehr kompliziert. Darüber hinaus wird das kreative Potenzial moderner Drohnen massiv eingeschränkt.

Drohnen wie die DJI Mavic Air 2 sind technisch sensationell! Innerhalb von Millisekunden erkennen sie Windstöße und gleichen diese aus. Dabei kommunizieren sie über Kilometer mit eurem Handy und ermöglichen Einstellungen, für die vor einigen Jahren noch ein Helikopter in die Luft steigen musste. Für Fotografen ist jede Vorstellung einer neuen Drohne daher ein kleiner Schlag in die Magengrube: Man will so viel und bekommt es auch – doch das meiste davon ist verboten.

Fazit

Starten wir mit einer guten Nachricht: Die meisten von euch, die sich eine Drohne kaufen, werden hierfür keinen Führerschein ablegen müssen. Das ist nämlich nur bei Drohnen notwendig, die mehr als 2 Kilogramm wiegen. Pflicht für alle sind allerdings eine entsprechende Haftpflichtversicherung sowie eine brandfeste Plakette, samt eures Namen und eurer Adresse. Hobby-Drohnenpiloten müssen sich je nach Wohnort zudem darauf einstellen, dass zu Drohnenflügen Autofahrten und die Suche nach geeigneten Flugbereichen gehören – Drohnen als Hobby sind also mit laufenden Kosten verbunden.

Die Webseite Map2Fly samt gleichnamiger App ist beim Fliegen eine echte Erleichterung, die allerdings lediglich zur Orientierung dient. Dass eure Kameradrohne in Sichtweite bleiben muss, ist ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben. Hierauf müsst ihr selbst achten, was beim gleichzeitigen Navigieren und Filmen recht schwer sein kann. Ein Copilot gibt euch hier zusätzliche Sicherheit und beugt dem Multitasking ein wenig vor.

Was haltet ihr von den Bestimmungen für Drohnenflüge in Deutschland? Sind sie für euch ein Grund, auf den Kauf einer Drohne zu verzichten oder eine sinnvolle und notwendige Regulierung?

Quellen | BMFI | Drohnen.de | YouTube

Benjamin Lucks

Freiberuflicher Journalist, der einige Jahre Berufserfahrung aus einer Technik-Redaktion mitbringt. Da er seit seiner Jugend fotografiert, ist Photografix für ihn die lang ersehnte Doppelbelichtung aus Berufs- und Privatleben.

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