Leica belebt ein Objektiv aus der Militärgeschichte wieder. Die Brennweite gab es im M-System bisher nur in wenigen Exemplaren.
Leica hat das Summicron-M 1:2/66 vorgestellt und greift damit auf das Elcan 66 mm f/2 zurück, das Walter Mandler bei Ernst Leitz Canada für die US Navy entwickelte. Das Objektiv erscheint in einer Auflage von 660 Exemplaren und kostet 9.850 Euro. Damit liegt es über den rund 9.000 Euro, von denen die Gerüchte vorab ausgingen.

Vorlage war ein Aufklärungsobjektiv der US Navy
Mandler entwarf das Elcan Ende der 1960er Jahre für die verdeckte Aufklärungsfotografie, gefertigt wurde es bei Ernst Leitz Canada in Midland in Ontario. Leica beziffert die Auflage auf rund 200 Exemplare und zählt das Objektiv damit zu den seltensten des M-Systems, viele Exemplare gingen im Einsatz verloren. Der damalige Entwicklungsleiter von Ernst Leitz Canada gab die Vorgabe des Auftraggebers so wieder. “Der Marine-Nachrichtendienst wollte ein Objektiv, das aussah wie jedes andere, aber so hoch auflöste wie kein anderes.”

Nach historischen Überlieferungen kam Ausrüstung dieses Typs im Kalten Krieg über den Auftrag der US Navy hinaus auch bei westlichen Bündnispartnern zum Einsatz. Leica bringt viele Elcan-Objektive außerdem mit der KE-7A in Verbindung, der militärischen Sonderausführung der M4. Zu diesen Sets gehörte eine Anleitung, die die Zerstörung von Kamera und Objektiv bei drohendem Verlust der Ausrüstung erklärte.
Die optische Rechnung lehnt sich an das Original an, Leica hat sie samt Gehäuse an heutige Standards angepasst. Das Datenblatt nennt einen optischen Aufbau aus sechs Linsen in fünf Gliedern, das Original kam auf neun. Die Naheinstellgrenze bleibt bei einem Meter, das Filtergewinde wächst von E39 auf E49. Bei 60,1 Millimeter Länge und 60 Millimeter Durchmesser wiegt das Objektiv rund 456 Gramm. Die Blende rastet in halben Stufen, arbeitet mit neun Lamellen und schließt bis f/16. Das M-Bajonett trägt eine 6-Bit-Codierung, digitale M-Modelle erkennen das Objektiv damit selbst.
Mechanisch weicht das Objektiv von den Serienmodellen ab, weil der Blendenring entgegen der bei M-Objektiven üblichen Richtung dreht und die Entfernungsskalen militärischen Spezifikationen folgen. Bei Offenblende nennt Leica weiches Bokeh und hohen Kontrast, abgeblendet soll die hohe Auflösung des ursprünglichen Einsatzzwecks sichtbar werden.





Auf dem Frontring stehen die Sonderseriennummer, die optische Berechnungsnummer B1047 und eine zwölfstellige Materialnummer. Das Original trug an derselben Stelle die Produktionsstückzahl, die Berechnungsnummer C283 und die dreizehnstellige Bestellnummer der US Navy. Anstelle der Bezeichnung Elcan steht nun “Leitz Wetzlar” auf dem Ring, in einer feineren Schrift als bei den aktuellen M-Objektiven. Die seitlich eingravierte 60 beziffert nach alter Konvention die exakt vermessene Brennweite von 66,0 Millimetern.
Nummer 001 kommt Ende November unter den Hammer
Das Summicron-M 1:2/66 ist das sechste Objektiv der Klassik Linie nach Summaron-M 1:5,6/28, Thambar-M 1:2,2/90, Noctilux-M 1:1,2/50 ASPH., Summilux-M 1:1,4/35 und Summilux-M 1:1,4/50, das 2025 für 3.850 Euro startete. Verkauft wird es ab sofort über die Leica Stores, den Online Store und autorisierte Händler.
Das Exemplar mit der Seriennummer 001 kommt bei der 49. Leitz Photographica Auction am 28. November 2026 in Wetzlar unter den Hammer, einen Schätzpreis nennt Leica nicht. Militärische Provenienz zahlt sich dort regelmäßig aus, eine olivgrüne M3 mit Bundeswehr-Gravur war im Frühjahr auf 120.000 bis 140.000 Euro geschätzt.

































Ich bin immer wieder begeistert, wie man es schafft, ein relativ kleines Objektiv für knapp 10.000 Euro zu verkaufen.
Kann es sein, dass das schon Größenwahn ist?
Andererseits, wer bitte kauft derart billiges Zeug? Attraktiv wird das Objektiv erst, wenn es mindestens 25.000 Euro kostet.
Keine Sorge, für dich kommt dann bei Gelegenheit das Erich Honecker Gedächnis Objektiv von Praktica für 20 Ostmark – das wird dann der totale Renner 🙂
…mit Hammer & Sichel Bokeh
Ab in die Vitrine, in der freien Natur wird dieses Objektiv nie auftauchen….nur ein leichter Nieselregen, kaum auszudenken, wie der Besitzer darauf reagieren würde?
Ich freue mich immer wieder, deine Kommentare zu lesen, aus denen eine wirklich differenzierte Weltsicht spricht, aber gut, so ist das Leben halt wirklich einfach für dich😁 Und: Natürlich handelt es sich bei dem Objektiv um ein Sammlerstück, das wahrscheinlich nur selten genutzt wird und im Laufe der Jahre teurer wird. Bei Leica funktioniert das halt, würde Nikon so ein Objektiv bringen, dann würde es keiner kaufen und dann auf dem Wühltisch bei der weltberühmten Fotobörse in Gladbeck landen 🤣
Er versteht das nicht.
Das stimmt – 9.850 Euro für ein langweiliges Leica-Objektiv – wer soll das verstehen?
Sammler Objekt ? Vielleicht für jemand der alles von Leica kauft und nie nutzt. Ansonsten gibt es bessere Alternativen ohne Leica Logo.
Ersteigern würde ich es nicht.
Wie gesagt, er versteht das nicht.
Vielen Dank für die Erwähnung unserer mittlerweile weltweit beliebten Fotobörse in Gladbeck, übrigens eine der größten Hallenveranstaltungungen dieser Art in Europa. Sie startet am 21. März 2027, zu sehen ist dort auch eine umfassende Ausstellung unter dem Titel “50 Jahre Nikon FM/FE”, denn diese ersten Kompakt-Kameras von Nikon mit einem Motoranschluss begeisterten nicht nur die Fotoamateure. Gezeigt werden auch FM/FE-Spezialmodelle (Titan, Jubiläumsvarianten, stark gebrauchte Presseversionen), Nikkor-Objektive und das Zubehör. Wir präsentieren auf einer großen Leinwand zusätzlich im Hauptsaal der Stadthalle Gladbeck Bilder aus der geschichtlichen Entwicklung der FM-FE-Serie, dazu in einer zweiten Schau beeindruckende Fotos aus dem Nahbereich unter dem Titel “Nah ´dran – wir gehen `ran”. Wir freuen uns über Ihren Besuch!
Vielen Dank, da ich aber noch nicht über 70 bin, gehöre ich leider nicht zur Zielgruppe dieser Veranstaltung, ich werde aber die internationale Presse verfolgen, die über die weltweit beliebte Messe sicherlich berichten wird😀 Trotzdem wünsche ich dir viel Erfolg, da steckt ja eine Menge Arbeit und Herzblut drin
Barrierefreier Zugang für Rollstühle? Das ist doch die Zielgruppe!
Peter, ich habe es mir auch mal notiert – Danke für den Hinweis!
Nach Gladbeck kommen auch viele junge Leute, die Interesse zeigen an der Analog-Fotografie. Um mir diese “nostalgische” Szene einmal anzusehen, besuchte ich am vergangenen Samstag in Köln die Analog-Messe. Viele gute Gespräche geführt, zwei Besucher wollten mir sogar meine Nikon-Weste abkaufen, aber die wollte ich gerne als Radfahrer für die Rückfahrt anbehalten – die versende ich dann (kostenlos) mit der Post. Übrigens: Auch einen aktiven Photografix-Forenschreiber konnte ich dort treffen. Alles durchaus interessant, aber ärgerlich war die Nichteinhaltung der angegebenen Öffnungszeiten, es sollte bis 23 Uhr gehen – aber um 21 Uhr lief bereits der Abbau der Stände.
…zum Glück habe ich die Nummer 007 erworben 👍