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Leica über Xiaomi-Partnerschaft: “Sehr harte Diskussion” über Handyfotos

Leica hält Smartphone-Objektive noch lange nicht für ausgereizt. Ein Chefingenieur widerspricht damit dem Trend zur reinen Rechenfotografie.

Beim Launch der neuen Smartphones Xiaomi 17T und 17T Pro haben Leica-Verantwortliche laut DPReview ungewohnt offen über die Zusammenarbeit gesprochen. Marius Eschweiler, Vice President der Mobilsparte, berichtete von einer “sehr harten Diskussion” mit dem Xiaomi-Entwicklungsteam darüber, wie Fotos der gemeinsamen Telefone aussehen sollen. Streitpunkt sei die Bildverarbeitung gewesen, vor allem der Umgang mit Schatten.

Streit um Schatten und Rechenfotografie

Aus der Smartphone-Welt sei ein bunter, glänzender Look als Maßstab gekommen, so Eschweiler gegenüber DPReview. Leica habe dagegen argumentiert, dass aus Sicht ernsthafter Fotografinnen und Fotografen nicht jede Schattenpartie aufgehellt werden müsse. Pablo Acevedo Noda, Leiter Entwicklung und Technik der Leica-Mobilsparte, wurde deutlicher. Die Rechenfotografie, also das Zusammensetzen mehrerer Aufnahmen zu einem Bild, sei “zu viel ins Bild geraten”. (Dem Trend stellen sich auch Apps entgegen, die explizit auf großartige KI-Verarbeitung verzichten.)

Die Lösung steckt in der Hardware. Der Bildprozessor nutzt zwei getrennte Verarbeitungswege, einen für den zurückhaltenden Modus Authentic und einen für das kräftigere Vibrant. Beide teilen sich einzelne Bausteine, die Grundlage unterscheidet sich aber. Generative KI, mit der sich Aufnahmen in Videos verwandeln lassen, ordnet Eschweiler als eigenen Anwendungsfall ein. Auf einer Leica M werde man das wohl nicht finden.

Optik bleibt laut Leica ein Engpass

In einem zweiten Beitrag zitiert DPReview Acevedo Noda zudem mit einem Widerspruch zur verbreiteten Annahme, künftige Fortschritte kämen fast nur aus der Software. “Es gibt noch viel Spielraum bei der Smartphone-Optik”, sagte er. Die Miniaturisierung bleibe eine Herausforderung, beim Design der Linsenelemente sehe Leica aber weiter Potenzial.

Erfrischend und ein Stück weit Mut machend ist das, weil Hersteller sonst vor allem über Sensoren, Auflösung und Zoom reden, selten über die eigentliche Optik. Leica und Xiaomi vertiefen ihre Kooperation seit Jahren, unter anderem im gemeinsamen Optical Institute. Insgesamt finde ich es auch löblich, dass sich die Leica-Zusammenarbeit nicht auf Highend-Flaggschiffe wie das Leitzphone beschränkt, sondern sich auch im Mittelklasse-Segment wiederfindet.

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Mirko

“Leica habe dagegen argumentiert, dass aus Sicht ernsthafter Fotografinnen und Fotografen nicht jede Schattenpartie aufgehellt werden müsse. Pablo Acevedo Noda, Leiter Entwicklung und Technik der Leica-Mobilsparte, wurde deutlicher. Die Rechenfotografie, also das Zusammensetzen mehrerer Aufnahmen zu einem Bild, sei “zu viel ins Bild geraten”.

Das sehe ich mittlerweile ähnlich, so viele Bilder wo fast kein Schatten mehr ist obwohl einer da sein müsste. Vielleicht will man auch nur zeigen was so im Dunkeln verborgen ist 🤔

Uneternal

Leica’s Meinung über computerisierte Fotografie und Schattenaufhellung teile ich. Früher hatte man noch den HDR-Modus dafür, heute wird ja standardmäßig alles aufgehellt. Ein Grund, warum viele auf No-Processing Apps umsteigen.

Das Zweite, dass man Smartphoneobjektive noch stark optimieren kann, halte ich für fraglich. Mehr Lichtausbeute ist sicher noch möglich, aber irgendwann stößt man da auch an die Grenzen des physisch Machbaren (und sinnvollen).

Stefan Zimmermann

Schatten sind ein schwieriges Thema. Viele Fotos werden heute nur noch auf Smartphones betrachtet und oft in wenigen Sekunden durchgewischt. Je kleiner die Darstellung, desto schwieriger wird es, feine Details und dezente Schattentöne überhaupt wahrzunehmen. Ein Nachtfoto kann auf einem großen, kalibrierten Monitor hervorragend wirken. Auf dem Smartphone wird daraus dagegen fast eine kleine Briefmarke. Viele feine Abstufungen in den Schatten, die auf dem großen Bildschirm noch sichtbar sind, verschmelzen dann schnell zu einer dunklen Fläche. Was auf einem großen Monitor noch eine differenzierte Struktur zeigt, kann auf dem Smartphone schnell einfach nur schwarz wirken. Hinzu kommt, dass Fotos auf ganz unterschiedlichen Hintergründen und unter völlig verschiedenen Lichtbedingungen betrachtet werden. Ein Bild, das auf einem dunklen Hintergrund perfekt aussieht, kann auf einem hellen Hintergrund deutlich dunkler wirken. Auch das Umgebungslicht spielt eine große Rolle. Ähnlich wie beim Film erkennt man viele feine Details erst in einer kontrollierten, eher dunklen Umgebung. Bei hellem Tageslicht oder in einem lichtdurchfluteten Raum laufen Schatten deutlich schneller zu. Deshalb ist es schwierig, ein Foto für alle Betrachtungssituationen gleichzeitig zu optimieren. Viele Bilder werden heute etwas heller ausgearbeitet, als es auf einem großen Monitor in einer kontrollierten Umgebung eigentlich nötig wäre. Der Grund ist einfach: Kleine… Weiterlesen »

Mirko

Über diese Unterschiede machen sich viele leider zu wenige Gedanken.”
Stimmt, darüber mache ich mir keine Gedanken! Mache mir aber Gedanken welchen (echten) s/w Film ich verwende, die Unterschiede können gravierend sein 📷

Alfred Proksch

Wir Menschen, besser gesagt unser Gehirn ist in der Lage ein relativ breites Wellenlängenband zu verarbeiten. Andere Lebewesen sehen nur Grautöne oder die Farbe ihrer Futterpflanze. Die Stechmücke nimmt unser Wärmebild wahr usw.

Vereinfacht auf den Punkt gebracht geht es darum mit Hilfe von digitalen Sensoren plus Software eine für uns natürliche Bildanmutung zu erzeugen. Die einen behaupten die Welt ist bunt, wo Licht ist sind Farben oder dort ist auch Schatten. Die Verlockung ist sehr groß mehr aus den Bilddaten zu kitzeln als wir mit unserem Auge sehen können.

Dazu kommen „Sehgewohnheiten“ sowie optische Täuschungen, Farbfehlsichtigkeiten oder das wir sowohl direktes Licht als auch reflektiertes Licht „richtig“ verarbeiten müssen.

Eigentlich diskutiert man darüber welche Sichtweise bei den Anwendern lieber „gesehen“ wird und wo die jeweiligen Grenzen dafür liegen.

K. W.

Es sind ja nicht nur die Schatten.
Der Himmel wird extrem blau, die Wolken übermäßig weiß. Aber das größte Lügenproblem der Smartphonebilder ist doch die Menschliche Haut. Farbe und Struktur werden derart verändert und zum schluss noch geglättet, dass man meinen könnte, aller Personen auf jenen Bildern sein vorher gepudert und besprüht worden. Daher gefallen mir Smartphonebilder im Detail dann oft nicht, obwohl man auch mit Handys tolle Bilder machen kann.

MplusM

Für die, welche Handy Bilder knipsen und sie nur auf dem iPhone/iPad betrachten reicht doch ehrlich gesagt die momentane Qualität.
Sollte der Anspruch sein, Ersatz für eine System Kamera zu sein und die Bilder auf grossen Monitoren zu bearbeiten und zu betrachten reichen die Aufnahmen natürlich nicht. Für das gibt’s dann eben die Kamera. Eigentlich gut so.

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