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Riesenteleskop oder Handkamera? Ein Astronauten-Foto der Nikon Z9 zeigt, dass auch Kleines reicht

Offensichtlich braucht es für neue astronomische Erkenntnisse nicht immer tonnenschwere Spezialtechnik, wie ein Foto der Artemis-II-Mondmission von der Sonnenkorona gezeigt hat.

Wenn Forschung auf Tonnen an Technik setzt

Astronomische Großprojekte gehen zuletzt gerne in die Vollen. Die neue LSST-Kamera des Rubin-Observatoriums bringt 2800 Kilogramm und 3200 Megapixel auf die Waage und durchmustert zehn Jahre lang den Südhimmel. Beim Mothra-Teleskop in Chile bündeln Forscher gleich 1.140 Canon-Teleobjektive zu einem einzigen optischen Verbund, um das kosmische Netz sichtbar zu machen.

Beides sind beeindruckende Projekte, aber auch enorme Investitionen an Geld, Zeit und Logistik. Warum also überhaupt riesige Teleskope bauen, wenn ein Astronaut mit einer handelsüblichen Kamera ins All fliegen kann?

Ein Foto, keine Sonderausrüstung

Anlass ist eine Studie japanischer Forscher, die ein Nikon-Z9-Foto aus der Artemis-II-Mission ausgewertet haben, aufgenommen während einer natürlichen Sonnenfinsternis im Mondorbit. Über eine Kalibrierung anhand von Hintergrundsternen ließ sich aus dem eigentlich nur für die Pressearbeit gedachten JPEG die Struktur der F-Korona rekonstruieren, mit einer überraschend größeren Nord-Süd-Ausdehnung als bisherige Modelle vorhersagten.

Das Besondere daran: Es handelte sich um kein wissenschaftliches Instrument, sondern um genau die Kamera, mit der auch viele von euch unterwegs sind. Die technischen Details zur Studie und zur Kalibrierungsmethode haben wir bereits in einem eigenen Artikel eingeordnet.

Auch auf der Erde funktioniert das Prinzip

Ganz neu ist der Gedanke nicht. Beim Eclipse Megamovie Project ließ die NASA schon bei den Sonnenfinsternissen 2017 und 2024 hunderte Amateurfotografen mit gewöhnlichen Kameras entlang der Totalitätszone fotografieren. Aus über 50.000 Einzelbildern entstand so ein durchgehendes Video der Korona über rund 90 Minuten, obwohl die Sonne an keinem einzelnen Standort länger als viereinhalb Minuten verdunkelt war. Auch hier lieferte am Ende Amateurausrüstung Daten, die ein einzelnes Observatorium so nicht hätte aufnehmen können.

Die Botschaft der neuen Studie ist also nicht, dass Riesenteleskope überflüssig wären, LSST und Mothra liefern Daten in einem Maßstab, den keine Handkamera erreicht. Aber sie zeigt, dass auch beiläufig entstandene Aufnahmen aus der bemannten Raumfahrt und von Amateurfotografen einen echten wissenschaftlichen Wert haben können.

Für kommende Ausflüge ins All dürfte das ein Argument sein, gezielt mehr solcher Aufnahmen einzuplanen, auch ganz ohne zusätzliches Kilogramm an Spezialausrüstung an Bord. Kennt ihr noch weitere Beispiele, wo mit kleiner Technik eine große Wirkung erzielt wurde? 

via Digital Camera World / Titelfoto: SAFRAN; Rubin Observatory (linke Aufnahme) / NASA (rechte Aufnahme)

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10 Kommentare
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Neil A.

Na ja, außerhalb der Atmosphäre ist das ja kein Problem. Mich wundert bis heute, dass die Apollo-Astronauten keine interessanten Aufnahmen der sichtbaren Milchstrasse gemacht haben. Die Kameras und Filme hatten sie ja dazu.

Raychan

Hatte mal die KI dazu ausgefragt und es kam raus, das jede Apollo Mission immer bei Mondtag statt fand. Da ein Mondtag ca. 14 Erdtage sind ist es klar warum es keine Milchstraßen fotos von den Apollo-Astronauten gibt.

Hier gut im Video von der NASA gut zusehen. Die sind immer direkt bei Tagesanbruch gelandet:
https://assets.science.nasa.gov/content/dam/science/psd/lunar-science/2023/09/apollo_sites_720p30-1.mp4

Neil A.

Vielen Dank für die Info.

Peter M

Sehr beeindruckend finde ich das Video von Markus Stark auf You Tube vom Mond, von der Erde aus aufgenommen “Moon, 300x, UHD, Leica 2.8/400..”

Stefan Zimmermann

Mit der Einschätzung sehr beeindruckend bin ich nur teilweise einverstanden 🙂 Für die Arbeit eines Hobbyfotografen ist die Aufnahme durchaus gelungen und technisch interessant. Der Titel „World’s sharpest Tele lens! Moon, 300x zooming in!“ ist aber wieder einmal deutlich zu reißerisch und vermittelt einen falschen Eindruck. Es handelt sich weder um einen echten 300-fachen optischen Zoom noch um einen Nachweis für das schärfste Teleobjektiv der Welt. Außerdem gibt es wesentlich höher aufgelöste und detailreichere Mondaufnahmen. Das Video ist also gut gemacht, der Titel verspricht aber deutlich mehr, als die Aufnahme tatsächlich zeigt. Wer den Mond wirklich hochauflösend und interaktiv erkunden möchte, sollte sich diese Seite ansehen: https://quickmap.lroc.im-ldi.com/ Sie funktioniert direkt im Browser und lässt sich ähnlich wie Google Maps bedienen. Man kann den gesamten Mond erkunden und sehr weit hineinzoomen. Je stärker man hineinzoomt, desto mehr hochauflösende Einzelaufnahmen werden eingeblendet. Am PC läuft die Karte meist deutlich besser. Mobile Geräte können je nach Leistung, Arbeitsspeicher und Internetverbindung Probleme mit der Darstellung und den großen Datenmengen bekommen. Eine feste Gesamtauflösung gibt es nicht, weil es sich nicht um ein einziges Foto handelt, sondern um eine globale Mondkarte mit zahlreichen hochauflösenden Einzelaufnahmen. Ganz grob kann man sich den gesamten Bildbestand vielleicht in… Weiterlesen »

Stefan Zimmermann

Nachtrag: Am einfachsten findet man das Apollo-15-Gebiet zunächst über die Koordinaten
26.1324, 3.6333
Diese in die Suche eingeben und anschließend auf „Create Point“ klicken. Über die Koordinaten wird allerdings offenbar nicht automatisch die höchstmögliche Auflösung geladen.
Sobald man die Stelle gefunden hat, deshalb zusätzlich noch einmal nach
M175252641R
suchen. Damit lässt sich die passende hochauflösende Aufnahme deutlich leichter aufrufen.

Henry333

Danke für die Info. Sehr interessant!

Uneternal

Es wäre mal noch interessant gewesen, in dem Artikel zu erwähnen, welches Objektiv denn jetzt benutzt wurde, wenn man das schon in der Überschrift so halb anteasert.

Peter M

Objektiv: Leica 2.8/400mm + 1.4x + 2x + 2x Leica Apo Extender an Panasonic GH4. Aufnahme aus Aug. 2015.

Stefan Zimmermann

„300× Zoom“ ist technisch falsch.
400 × 1,4 × 2 × 2 ergeben 2.240 mm reale Brennweite. An der Panasonic GH4 entspricht der Bildwinkel ungefähr 4.480 mm an Kleinbild. Das ist knapp die 90-fache Brennweite eines 50-mm-Normalobjektivs – nicht 300-fach. Das ist Mathematik, keine Auslegungssache.
Das Leica 400 mm ist außerdem eine Festbrennweite und kein Zoomobjektiv. Schon deshalb ist die Bezeichnung „300× Zoom“ sachlich falsch.
Auch „schärfstes Teleobjektiv der Welt“ ist eine unbelegte Behauptung. Bei hochauflösenden Mondaufnahmen ist die Luftunruhe ein entscheidender begrenzender Faktor. Deshalb werden häufig Hunderte oder Tausende kurze Aufnahmen erstellt. Die schärfsten Einzelbilder werden ausgewählt, ausgerichtet und miteinander verrechnet. Das nennt man Lucky Imaging und Stacking.
Genau so entstehen viele starke Mond- und Planetenaufnahmen – nicht durch eine angebliche „300×-Zoom“-Angabe.
Die Fakten bleiben: 2.240 mm reale Brennweite, etwa 4.480 mm Kleinbildäquivalent, eine Festbrennweite statt eines Zooms und keinerlei Beleg für den Titel „schärfstes Teleobjektiv der Welt“. Der Rest ist Übertreibung.

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