Zeiss Objektive

Zeiss räumt das DSLR-Regal: Die Otus-Festbrennweiten laufen aus (Update)

Eine ganze Generation von Zeiss-Objektiven verschwindet aus dem Handel. Wer die Spiegelreflex-Modelle noch will, findet sie nur noch gebraucht.

Update, 15. Juni 2026:

Sechs DSLR-Festbrennweiten der Milvus-Reihe bleiben wegen anhaltender Nachfrage weiter im Programm. Das hat Zeiss gegenüber PetaPixel ergänzt, nachdem zunächst nur das Auslaufen der Otus-DSLR-Objektive bekannt geworden war und schon 2023 eigentlich auch das Ende der Milvus-Serie eingeläutet wurde.

Weiter produziert werden die Milvus 35mm f/1.4 ZF.2, 35mm f/2 ZF.2, 50mm f/1.4 ZF.2, 50mm f/2 ZF.2, 100mm f/2 ZF.2 und 135mm f/2 ZF.2, allesamt für Nikons nur noch spärlich bedientes F-Bajonett. Wie lange das so bleibt, ließ Zeiss offen. Die Weitwinkel Milvus 21mm f/2.8 und 25mm f/1.4 nannte der Hersteller nicht, und einige noch verfügbare Canon-EF-Varianten zählte er nicht ausdrücklich zu den weiterproduzierten Objektiven.

Zeiss hat das letzte Kapitel seiner klassischen Otus-Objektive geschlossen. Die vier lichtstarken Festbrennweiten für Spiegelreflexkameras mit Canon-EF- und Nikon-F-Anschluss sind laut Asobinet bei großen Händlern in Japan und den USA nur noch als abverkauft oder eingestellt gelistet, neu produziert werden sie offenbar nicht mehr. Eine offizielle Mitteilung von Zeiss gibt es bislang nicht, die Signale aus dem Handel sind aber deutlich und ehrlicherweise wenig überraschend.

Die Otus-Reihe ist Zeiss’ kompromissloses Spitzenangebot. Die Idee dahinter war, die Anmutung von Mittelformat auf das Kleinbildformat zu holen, ohne Rücksicht auf Größe, Gewicht oder Preis. Den Anfang machte 2013 das Otus 55mm f/1.4 Apo Distagon, das DxOMark seinerzeit als bestbewertetes Objektiv seiner Datenbank führte. Es folgten das 85mm f/1.4 Apo Planar (2014), das 28mm f/1.4 Apo Distagon (2015) und schließlich 2019 das 100mm f/1.4 Apo Sonnar.

Alle vier fokussierten ausschließlich manuell, steckten in einem Vollmetallgehäuse und waren entsprechend teuer. In Europa kosteten sie teils über 4.000 Euro, das 100mm f/1.4 startete bei rund 4.500 Euro. So gelobt Schärfe und Verarbeitung auch waren, blieben die Objektive damit eine Anschaffung für wenige.

Der lange Rückzug aus der Fotografie

Das 100mm f/1.4 war zugleich die letzte komplett neue Foto-Festbrennweite von Zeiss. Danach kamen nur noch Cine-Objektive. Als 2023 Gerüchte über einen kompletten Ausstieg aus der Fotoindustrie kursierten, widersprach Zeiss zwar, bestätigte aber, dass Entwicklung und Fertigung der Spiegelreflex-Objektive enden, darunter Otus und Milvus. Die spiegellosen Reihen sollten dagegen weiterlaufen.

Offiziell bestätigt hat Zeiss diesen Komplettrückzug nie. Einzelne Linien verschwanden trotzdem nach und nach, 2025 etwa das Loxia 50mm f/2. Vor diesem Hintergrund ist das Aus der Otus-DSLR-Objektive weniger ein Bruch als der letzte Schritt einer längeren Bewegung.

Parallel hat Zeiss die Marke neu aufgestellt. 2025 startete mit dem Otus ML 50mm f/1.4 und dem 85mm f/1.4 eine spiegellose Generation, Anfang 2026 kam das Otus ML 35mm f/1.4 hinzu. Die ML-Modelle gibt es für Sony E, Canon RF und Nikon Z.

Am Konzept ändert sich wenig. Auch die ML-Objektive fokussieren rein manuell, stecken in einem Vollmetallgehäuse und arbeiten mit Lichtstärke f/1.4. Günstiger sind die Nachfolger trotzdem. Das 50mm kostet 2.499 Euro, das 85mm 2.799 Euro und das 35mm 2.399 Euro, deutlich weniger als die alten DSLR-Brennweiten, aber natürlich immer noch nicht geschenkt.

Neu sind die klassischen Otus (oder Oti?) kaum noch zu haben, gebraucht tauchen sie nur vereinzelt auf. Wer ein Exemplar mit EF- oder F-Bajonett sucht, sollte sich also zügig umsehen.

Offen ist, wie vollständig die ML-Reihe die alte Linie ersetzt. Ein 28-Millimeter-Weitwinkel fehlt bisher ebenso wie ein langes Tele in der Art des 100mm f/1.4. Eine Brennweite wie ein 135mm f/1.4 wäre in der Otus-Familie sogar ein Novum.

Beitragsbild: Cinescope Creative

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16 Kommentare
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BEN

Otus, nicht Oti. 😉

Falls es sich tatsächlich auf die guten Augen der Zwergohreulen bezieht.

HBHB

Typisch Photografix, viele Worte die immer wieder das gleiche wiederholen als ob man einen IQ von 55 ansprechen würde.

Habe das 85mm ML und weiß es sehr zu schätzen. Es ist kein Schnappschuss-Objektiv, es zwingt zum Vorausdenken, die Aufnahmen sind in mehrfacher Hinsicht großartig (kein Eigenlob) und ich werde auch meine beiden 85er mit AF behalten.

Klar, ein Otus ML muss man nicht haben, aber man kann es haben des Spaßes wegen.

Daniel_S

👍 Das ging mir genauso.

Thomas Müller

Ich kann die Kritik auch nicht nachvollziehen, hinsichtlich Deines Artikels ist sie unberechtigt. Vielleicht meint HBHB aber etwas anderes, nämlich dass über das Ende der Otus und Milvus Reihen für DSLRs bereits in der Vergangenheit berichtet wurde?

HBHB

Wer von den Kommentatoren ist Eigentümer eines Zeiss Otus ML?

Thomas Müller

Wieso fragst Du ausgerechnet mich das?? Meinst Du etwa. man kann sich zur Kritik der angeblichen Wiederholung der Berichterstattung über die Einstellung der Produktion bestimmter Zeiss Objektive nur äussern, wenn man weiss, welche Kommentatoren selbst Eigentümer eines solchen sind? Falls Du dieser Auffassung sein solltest, kannst Du dann auch den logischen Zusammenhang erklären?

Alfred Proksch

Vielleicht liegt es daran das die Kundschaft für hochwertige und somit teurere Produkte wegstirbt. Vielleicht ist der moderne Nutzer einfach nur zu bequem geworden um den Schärfe-Punkt selbst zu setzen. Kann auch sein das Fernost Objektive wesentlich besser geworden sind so das auf den ersten Blick kein Unterschied zu bemerken ist.

Mirko

Warum sollte Zeiss weiterhin Objektive für “Spiegel Kameras” produzieren?

Peter Braczko

Die Argumente von dem Proksch sind so schlecht wie seine Rechtschreibung!

Mirko

…da gibt es Einen der noch viel schlimmer ist, er nennt sich Braczko!

Peter Braczko

Weg damit, die Originalhersteller haben bessere Angebote….mich erfreut beispielsweise die umfangreiche Objektiv-Vielfalt für das Nikon-Z-System

Rolf Carl

Stimmt, Original Sigma und Tamron sind viel besser.

Carsten Klatt

Wieder mal gequirlter Unsinn. Hättest Du in Deinem Leben mal mit einer Zeisslinse fotografiert, dann wüsstest Du wie schlecht die OEM Hersteller tatsächlich sind. Auch Dein komisches Nikon!

Uneternal

Wer über 2000€ für eine manuelle Scherbe hinlegt, hat sowieso die Kontrolle über sein Leben verloren.

Rolf Carl

Manuell scharfstellen ist genauer, wenn man Zeit hat, dann hat man die volle Kontrolle. Nicht über das Leben, aber betreffend Schärfe.

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