Monatelang galt der chinesische Finanzinvestor HSG als Favorit für einen Einstieg beim Wetzlarer Kamerahersteller. Jetzt ist der Deal allem Anschein nach vom Tisch.
Die Gespräche über einen Verkauf von Leica-Anteilen an einen chinesischen Investor sind beendet. Das berichtet das Wall Street Journal nebenbei in einem längeren Unternehmensportrait und beruft sich dabei auf eine ungenannte Person, die mit der Sache vertraut ist. Gründe nennt die Zeitung nicht.
Im Januar kam das Thema zum ersten Mal auf. Wir berichteten damals unter Berufung auf Bloomberg, dass der Finanzinvestor Blackstone, der seit 2011 rund 45 Prozent an der Leica Camera AG hält, gemeinsam mit Mehrheitseigner Andreas Kaufmann den Verkauf einer kontrollierenden Beteiligung prüft. Im Raum stand dabei eine Unternehmensbewertung von rund einer Milliarde Euro. Als Kandidaten galten HSG (HongShan Capital Group, früher Sequoia Capital China) und Altor Equity Partners aus Nordeuropa.
Anfang Juni schien der Deal näherzurücken. HSG verhandelte über den 45-Prozent-Anteil, den Blackstone seit 2011 an der Leica Camera AG hält. Außerdem hieß es: HSG könnte auch Kaufmanns restliche 55 Prozent übernehmen, falls dieser verkauft. Ein Bloomberg-Insider rechnete damit, dass HSG Leica in Zukunft an die Börse bringen wird.
Leica arbeitet bereits eng mit chinesischen Firmen zusammen, etwa mit Xiaomi beim Leitzphone und mit Hisense beim Projektor Cine 1. Im April kam eine neue Partnerschaft dazu: Leica entwickelt gemeinsam mit dem chinesischen Sensorhersteller Gpixel einen Bildsensor für kommende Kameras. Bis zur M10 nutzten die Wetzlarer einen eigens entwickelten Sensor aus europäischer Fertigung, gebaut unter anderem bei AMS in Graz. Mit der M11-Generation wechselte der Hersteller auf Seriensensoren von Sony.
Umbau an der Spitze, erstmals weniger Umsatz
Die Verhandlungen fielen in eine Zeit des Umbruchs. Seit dem 1. April führt Andreas Voll als neuer CEO das Unternehmen. Er tritt die Nachfolge von Matthias Harsch an, der Leica seit 2017 geführt hat. Voll kommt von der Unternehmensgruppe fischer; zuvor war er viele Jahre bei IWC Schaffhausen in Führungspositionen tätig.
Dem WSJ zufolge will er mehr Produkte für Videofilmer und eine günstigere Kamera für jüngere Käufer anbieten. Kürzlich kündigte außerdem Technikvorstand Ronny Fritsche seinen Rückzug an. Damit verändert sich die Führungsspitze von Leica innerhalb weniger Monate zum zweiten Mal.
Auch beim Umsatz gab es einen Dämpfer. Leica setzte im Geschäftsjahr 2025/2026 573 Millionen Euro um, 3,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Unternehmen beendet damit eine Serie von vier Rekordjahren, zuletzt mit 596 Millionen Euro. Als Gründe nennt Leica geopolitische Unsicherheiten, ungünstige Wechselkurse und strengere Zölle.
An den Eigentumsverhältnissen ändert sich vorerst nichts: Kaufmann hält über die AMC Projektentwicklung GmbH 55 Prozent, Blackstone 45 Prozent. Gelöst ist die Frage aber nicht. Blackstone wollte schon 2017 aussteigen und dürfte weiter nach einem Käufer suchen.
Bei den Produkten plant Leica unabhängig davon weiter. Die M12 wird inzwischen erst für 2027 erwartet, davor könnte Leica noch dieses Jahr oder Anfang 2027 eine M11-R mit neuem Sensor bringen, der wie bisher 60 Megapixel auflöst.
via: PetaPixel


Na Gott sei Dank 🙏
Es gibt doch einen Fotogott!
Ah, Andreas Voll war also vorher bei der IWC in führender Position. Da konnte er mal echten Luxus kennenlernen.
Wie jede chinesische Beteiligung ein trojanisches Pferd. Viele Unternehmen haben das leidvoll erfahren müssen.
Die Chinesen sind nicht so blöd wie die Russen und führen Krieg, die kaufen alles auf und Basta!