OM System hat größere Sensoren mehrfach gedanklich durchgespielt. Am Ende setzte sich eine andere Frage durch.
Auf eine Vollformatkamera von OM System solltet ihr weiterhin nicht warten. In einem Video auf dem japanischen YouTube-Kanal des Herstellers begründen die Manager Eiji Shirota und Setsuya Kataoka, warum das Unternehmen bei Micro Four Thirds bleibt. Dabei räumen sie ein, dass größere Sensoren intern durchaus Thema waren.
Laut Shirota kam die Idee im Unternehmen immer wieder auf und verschwand dann wieder. Er habe einen Wechsel durchgespielt, den Wert, den OM System bieten wolle, sehe er aber nur mit Micro Four Thirds.
Kataoka erwog kurz nach dem Start des Systems selbst, das Angebot um Vollformat und APS-C zu erweitern. Ein älterer Kollege bremste ihn damals mit der Frage “Hast du wirklich schon ausgereizt, was mit Micro Four Thirds möglich ist?” Seitdem arbeite er daran, Vollformat mit dem kleineren Format zu übertreffen, inzwischen seit rund 15 Jahren.
Von der Konkurrenz will sich OM System dabei nicht leiten lassen. “Etwas zu schaffen, das es noch nicht gibt, das ist Entwicklung”, heißt es im Video.
Bildqualität soll reichen, Gewicht soll entscheiden
Den Abstand zu Vollformat wird OM System laut dem Gespräch nicht schließen. Es reiche aber, wenn die Bildqualität die Kundschaft zufriedenstellt. Dafür entwickelte der Hersteller auch Funktionen wie High-Res Shot, die aus mehreren Aufnahmen ein höher aufgelöstes Bild berechnen.

Schlecht reden wollen die Manager Vollformat ausdrücklich nicht. Für die bestmögliche Aufnahme könne es die richtige Wahl sein, für unterwegs Micro Four Thirds. Kataoka nennt als Beispiel die Mongolei-Bilder von Tetsuro Shimizu, der tagelang zu Pferd unterwegs war und bei Sandsturm und minus 40 Grad fotografierte.
“Wenn man die Kamera zu Hause lässt, weil sie zu schwer ist, hat sie keinen Wert”, heißt es im Video, ganz gleich, wie gut ihre Bilder sind. Im selben Zusammenhang fällt der Satz des früheren Olympus-Konstrukteurs Yoshihisa Maitani “Kennst du die Bedingung für ein gutes Foto? Dass du eine Kamera dabeihast.”
OM System will Outdoor-Marke Nummer eins werden
Als Ziel nennen die Manager Platz eins unter den Kameramarken für draußen. Passend zum Slogan “Mehr Abenteuer im Leben” will OM System mit Produkten und Service neue Vorhaben von Fotografen unterstützen. Konkrete neue Kameras oder Objektive kündigen die Manager im Video nicht an.
Beim 17mm f/1.8 II und 25mm f/1.8 II ergänzte der Hersteller zuletzt einen Wetterschutz, auch das neue 14-42mm-Kit-Objektiv ist geschützt. Die 999 Euro teure OM System PEN ist gegen Staub und Nieselregen abgedichtet, die OM-5 Mark II erreicht mit IP53 einen höheren Schutzgrad.
Beim Makro spielt der kleine Sensor seine Stärken aus
Auch in unserer fünfteiligen Serie zur Makrofotografie schneidet das Format gut ab. Autor Jürgen Wolf bevorzugt dafür Micro Four Thirds, weil es bei gleicher Blende und gleichem Bildausschnitt mehr Schärfentiefe bietet und mit kürzeren, leichteren Objektiven mehr Abstand zum Motiv erlaubt.

Vollformat bleibt dafür bei Bildrauschen im Vorteil. Auch Beugungsunschärfe, die Bilder bei stark geschlossener Blende weicher macht, setzt dort später ein, bei Micro Four Thirds wird sie schon ab etwa f/5.6 bis f/8 sichtbar. Abblenden hilft deshalb nur begrenzt, zumal bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 oft nur wenige Millimeter scharf sind. Für unbewegte Motive gibt es Focus Stacking, bei dem mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichem Fokuspunkt zu einem Bild kombiniert werden. Die OM-1 Mark II erledigt das mit bis zu 15 Aufnahmen direkt in der Kamera.
OM System bleibt bei Micro Four Thirds, das Objektivangebot wächst
Für OM System ist das Bekenntnis zu Micro Four Thirds nicht neu. Schon 2021 schloss das Unternehmen Vollformatkameras aus. Im Frühjahr 2026 bekräftigten OM System und Panasonic, weiter auf Micro Four Thirds zu setzen.
Auch bei Objektiven tut sich im System wieder mehr, nachdem Dritthersteller lange kaum Neues geliefert hatten. Laowa bietet sein 90mm f/2.8 mit Abbildungsmaßstab 2:1 seit Anfang 2026 für Micro Four Thirds an, und Viltrox kündigte im Juli seine ersten beiden Festbrennweiten dafür an. Panasonic legt in Japan drei zuvor gestrichene Objektive mit kleinen Änderungen neu auf.
Die Nachfrage nach der PEN ist hoch. Wegen der vielen Vorbestellungen verschob OM System den Verkaufsstart in Japan. Über ein teureres Modell war laut Entwickler Nishihara im September noch nicht entschieden.
via: DCLife


Wenn für MFT ein 12-35 mm f/2 rauskommt, das gleich klein oder kleiner als das neue Tamron 16-50 f/2.8 für APS-C ist, dann würde ich es in Betracht ziehen, vorher leider nicht. Ein Standardzoom mit ca. äquivalenter Schärfentiefe zu f/4 an Vollformat ist für mich ein Muss und die älteren beiden f/1.7 Zooms sind ja größer als viele Vollformat-Objektive. Und der reine Lichtstärkenvorteil bringt mir nichts, weil MFT bei ISO 100 so viel rauscht wie Vollformat bei ISO 400, MFT ISO 1600 wie Vollformat ISO 6400 usw.
Alle Systeme haben ihre Vor- und Nachteile:
Im WW- Bereich ist bei der Objektivkonstruktion das Vollformat im Vorteil, ein 4/24-70 lässt sich einfacher und günstiger konstruieren, als ein 2.0/12-35 und kleiner wird es obendrein, im Telebereich ist es eher umgekehrt.
Klare Vorteile bietet MFT dagegen im Makrobereich.