GoPro will künftig auch Bauteile für KI-Rechenzentren liefern. Die Action-Kameras rücken damit eher in den Hintergrund.
GoPro geht mehrheitlich an einen neuen Eigentümer. Beide Unternehmen haben am 1. September einen verbindlichen Fusionsvertrag geschlossen, wie GoPro in einer Pressemitteilung schreibt. Die bisherigen Aktionäre erhalten zusammen 285 Millionen Dollar in bar, also 1,14 Dollar je Aktie, und behalten rund zehn Prozent der Anteile. Wenn ihr eine Hero oder eine Mission 1 nutzt, ändert sich zunächst nichts, GoPro will Kameras, Support und die Abo- und Cloud-Dienste unverändert weiterführen.
Formal eine Fusion, praktisch eine Übernahme
Der Vertrag läuft zwischen GoPro, der Action Acquisitions LLC als Muttergesellschaft und Starman Optical als deren hundertprozentiger Tochter, wie aus der SEC-Meldung hervorgeht. GoPro bleibt als juristische Person bestehen und behält die Nasdaq-Notierung, wird aber zur Tochter von Action Acquisitions.
Starman übernimmt zudem GoPros ausstehende Schulden von rund 92 Millionen Dollar und löst sie beim Abschluss ab. Geplant ist der für Ende 2026, nötig sind noch Freigaben der Regulierungsbehörden und die Zustimmung der GoPro-Aktionäre. Wer danach im Board und in der Geschäftsführung sitzt, ist bislang nicht offengelegt.
Transceiver-Geschäft ist noch im Aufbau
Starman Optical dient als Übernahmevehikel und wurde dafür am 31. August 2026 in Delaware eingetragen. Das operative Geschäft steckt in Starman New Photonics, das laut TechCrunch offenbar 2025 entstand und seine erste US-Fabrik in New Jersey noch baut.
GoPro steigt damit in den Markt für optische Transceiver ein, also für Bauteile, die in Rechenzentren Daten per Licht zwischen Servern übertragen. Dazu kommen Pläne für Verteidigung, Behörden, Robotik und Luftfahrt.
Kameras laufen weiter, Investitionen bleiben unbeziffert
Firmenchef Nicholas Woodman ordnet den Deal in einer internen Mail an die Belegschaft als Meilenstein der im Mai gestarteten strategischen Prüfung ein und nennt ihn einen “sehr positiven Weg für GoPro, unsere Mitarbeiter, unsere Kunden und unsere Aktionäre”.
Starman habe die Mittel, um die Consumer-Roadmap auszubauen und das Software- und Abo-Geschäft zu vergrößern, und solle “bedeutende margenstarke Erlöse” beisteuern. Konkrete Produkte oder Summen nennt keine der Mitteilungen. Kunden, Partnern und Lieferanten schrieb GoPro, das Tagesgeschäft laufe unverändert weiter und die aktuelle Produktpalette bleibe in Produktion.
Das gilt auch für die Mission 1 Pro ILS, GoPros erste Kamera mit Wechselobjektiven, die seit dem 2. September für 699 Euro ausgeliefert wird. Die Kamerasparte ist im neuen Konzern der kleinere Teil und schrumpft weiter. Im zweiten Quartal setzte der finanziell angeschlagene Hersteller 104,9 Millionen Dollar um, 31 Prozent weniger als im Vorjahresquartal, und verbuchte 51 Millionen Dollar Verlust. Der Abverkauf lag bei rund 291.000 Kameras, ein Minus von 38 Prozent. Wirtschaftsprüfer PwC hatte zuvor erhebliche Zweifel am Fortbestand angemeldet. Insta360 und DJI haben GoPro über Jahre Anteile bei erschwinglichen Action-Kameras abgenommen.
YouTuber hält 8,5 Prozent der Class-A-Aktien
Mark Fischbach, auf YouTube als Markiplier bekannt, besitzt 13,5 Millionen GoPro-Aktien der Klasse A und damit 8,5 Prozent dieser Gattung, mehr als BlackRock mit 6,4 Prozent. Die Kontrolle liegt weiter bei Woodman, dessen Class-B-Aktien je zehn Stimmen haben und ihm rund 63 Prozent der Stimmrechte sichern.
Wenige Tage zuvor hatte Fischbach ein Video über die Mission 1 Pro ILS veröffentlicht, das einen Rabattcode enthielt, seine Beteiligung aber nicht erwähnte. Tech-YouTube-Kollege Marques Brownlee kommentierte das auf Threads mit dem Hinweis, diese Linie sehe er selten überschritten.
Beitragsbild: Jamie Fenn

