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Canon EOS R5: Das ist Canons große Chance!

Die EOS R5 bedeutet eine riesige Chance für Canon, doch wird Canon diese Chance auch nutzen? Ein paar Gedanken zum neu angekündigten Flaggschiff.

Canon EOS R5 löst Begeisterung aus

Canon hat vor einigen Tagen die neue EOS R5 angekündigt und damit eine Euphorie ausgelöst, wie es dem Hersteller seit Jahren nicht mehr gelungen ist. Hohe Auflösung, neuer Sensor, IBIS, 8K-Videos, 20 fps Serienbildgeschwindigkeit, neuer Cloud-Service – das könnte DIE Kamera werden, auf die viele Kunden seit Jahren gewartet haben. Die bisher kommunizierten technischen Daten sehen beeindruckend aus und im Netz ist ein regelrechter Hype um die Canon EOS R5 entstanden. „Sie verändert alles!“ titelt beispielsweise Jared Polin auf YouTube und zahlreiche Kollegen tun es ihm gleich.

Das ist für Canon natürlich eine riesige Chance. Nicht alle Kunden waren in den letzten Jahren zufrieden mit dem Marktführer, zu wenige technische Neuerungen, zu wenige Innovationen. Doch nun kommt die Canon EOS R5 und man spürt regelrecht, wie die Fangemeinde aufatmet – endlich, ein neues Flaggschiff von Canon, das vermutlich auch zurecht als Flaggschiff bezeichnet werden darf.

Die Euphorie birgt Risiken

Mit der Canon EOS R5 könnte es Canon also gelingen, zweifelnde Kunden wieder von der eigenen Marke zu überzeugen. Doch die Betonung liegt hier auf „könnte“. Dass die EOS R5 einen Hype ausgelöst hat, ist nämlich nicht nur eine große Chance, sondern auch ein großes Risiko. Denn nach der offiziellen Ankündigung, bei der viele Details der Kamera noch verschwiegen wurden, sind der Erwartungen der Kunden hoch. Verdammt hoch sogar. Und wenn die Canon EOS R5 am Ende doch enttäuscht, dann wäre das ein herber Rückschlag für den Marktführer.

Das bedeutet: Die Canon EOS R5 MUSS eine Kamera ohne große Schwachstellen werden. Da darf nicht der zweite Speicherkartenslot fehlen (wird er nicht, das ist nur ein Beispiel), da darf der Autofokus nicht durchschnittlich sein, da darf der Dynamikumfang nicht auf dem Stand von 2015 sein, da darf es bei 4K keinen Crop-Faktor geben.

Sony hat das mit der A7 III Anfang 2018 eindrucksvoll vorgemacht. Die A7 III ist sicherlich keine perfekte Kamera, aber es ist eine Kamera, die zu einem fairen Preis auf den Markt gebracht wurde und die keine größeren Schwachstellen hat. So etwas muss Canon mit der EOS R5 auch gelingen.

Der Preis: Ein entscheidender Faktor

Der Preis der Canon EOS R5 wird ein ganz entscheidender Faktor sein. Wenn ich Canon wäre, dann würde ich nicht versuchen, mit der EOS R5 große Gewinne einzufahren. Ich würde stattdessen versuchen, die Vollformat-DSLM so günstig wie möglich anzubieten, um Kunden zu begeistern und an das eigene System zu binden. Gewinne können sie dann über die Jahre mit dem Verkauf von RF-Objektiven einfahren, die sind ja teilweise teuer genug.

Trotzdem muss man bei den bisher bekannten Spezifikationen natürlich fürchten, dass die Canon EOS R5 teuer werden wird. Das absolute Minimum für diese Kamera sind meiner Meinung nach 4.000 Euro. Das ist nämlich der Preis, den Canon auch 2016 für die EOS 5D Mark IV aufgerufen hat – und die sah auf dem Papier weniger beeindruckend aus.

Was hat Canon mit 8K-Videos vor?

Der große Knackpunkt der EOS R5 werden die 8K-Videos sein. Canon hat ja offiziell angekündigt, dass man mit der neuen DSLM Videos in 8K aufnehmen können wird, doch Details verschweigt das Unternehmen noch.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei 8K-Videos keine Einschränkungen geben wird. Das liegt schon alleine daran, dass aktuell ja eigentlich niemand 8K-Videos braucht. Natürlich ist es richtig von Canon zu versuchen, im Video-Bereich wieder zu den Vorreitern zu gehören, wie das damals bei der 5D Mark II der Fall war. Und jetzt schon mal einen ersten Schritt in Richtung 8K zu machen, ist völlig in Ordnung. Doch wenn die Canon EOS R5 tatsächlich ein „Videowunder“ mit 8K-Videos ohne große Einschränkungen werden sollte, dann wird sie nicht 4.000 Euro kosten, sondern 5.000, 6.000 oder sogar 7.000 Euro. Und das will ja eigentlich niemand.

Ich HOFFE also, dass die 8K-Videos eher eine Marketing-Geschichte sein werden. Ich will bei der Canon EOS R5 keinen Lüfter, ich will keinen extrem hohen Preis. Ich will 4K-Videos in erstklassiger Qualität ohne Einschränkungen, sehr gerne auch mit 120 fps, aber vor allem will ich erstklassige Fotofunktionen, keine Schwachstellen und einen fairen Preis. Dann könnte die Canon EOS R5 der größte Erfolg für Canon seit Jahren werden. Ich bin gespannt.

Mark Göpferich

Mark Göpferich

Gründer von Photografix und freiberuflicher Redakteur, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit mehr als 3.300 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.

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