Marktgeschehen

Chipmangel: Das sagen Kamera- und Objektivhersteller

Das zweite Wort mit C, das niemand mehr hören kann: die Chipkrise. Wie bewerten die verschiedenen Unternehmen die aktuelle Situation?

Chipkrise und Corona sorgen für Produktionsschwierigkeiten

Der nicht enden wollende Chipmangel betrifft viele Branchen – allen voran die Autoindustrie, aber auch im Kamerageschäft haben Hersteller damit zu kämpfen, die Verfügbarkeit ihres Portfolios aufrechtzuerhalten. So mussten wir in der Vergangenheit schon über das Pausieren oder die gänzliche Einstellung einiger Modellserien berichten. Bei neuen Kameras ist teilweise mit langen Lieferzeiten zu rechnen. Canon sah sich wegen der Corona-Pandemie – die die Gesamtsituation natürlich nicht einfacher macht – und der Chipkrise sogar gezwungen, Teile einer Fabrik zu schließen.

Die Kollegen vom Amateur Photographer haben bei den großen Unternehmen der Branche mal nachgefragt, wie denn aktuell so die Lage ist und wie sie gewährleisten wollen, dass ihre Produkte, die sie 2022 anbieten, auch wirklich bald nach der Bestellung bei ihren Kunden ankommen. Untenstehend findet ihr die maschinell übersetzten Antworten der jeweiligen Unternehmensvertreter.

Kaum ein Unternehmen rechnet nicht mit Verzögerungen

Manche haben sich mehr, manche weniger ausführlich zurückgemeldet. Sony beispielsweise stellt lediglich fest, dass die Produktion bestimmter Produkte beeinträchtigt werden kann. Nikon hingegen verweist seine Kunden an die Händler, bei denen die Bestellung aufgegeben wurde und verspricht, alles dafür zu tun, die Schwierigkeiten möglichst aus dem Weg zu räumen. Leica erkennt an, dass die Situation als „mittelgroßer Hersteller“ eine andere ist, gibt aber auch zu, dass sie genauso Probleme damit haben werden, 2022 die Kundennachfrage zu bedienen (schließlich stehen in diesem Jahr womöglich gleich drei neue Modelle an). Optimistischer äußert sich OM Digital (ehemals Olympus), dort erwartet man keine Verzögerungen.

Nicht nur für Kameras, auch für die Produktion von Objektiven sind Halbleiter Voraussetzung, zum Glück aber in kleinerem Maße, wie Zeiss anführt, weshalb das Unternehmen nicht so stark wie die Kamerahersteller betroffen sei. Sigma habe nach eigener Aussage die Krise durch „die enge Zusammenarbeit mit den Zulieferern und unsere eigenen Anstrengungen“ bis jetzt gut umschiffen können, könne das für 2022 aber nicht mehr garantieren.

Sony

„Bei Kameraprodukten gibt es derzeit eine Verzögerung bei der Beschaffung von Teilen, die teilweise durch die weltweite Verknappung von Halbleitern verursacht wird, was die Produktion bestimmter Produkte beeinträchtigt.

Nikon

„Wir erleben derzeit eine Unterbrechung der Lieferkette und Lieferverzögerungen. Dies ist auf das Eintreffen und die Verteilung notwendiger Teile für bildgebende Produkte zurückzuführen, hauptsächlich aufgrund der Auswirkungen der weltweiten Verknappung des Halbleiterangebots. Wir raten allen, die auf eine Bestätigung ihres Liefertermins warten, sich an den Händler zu wenden, bei dem sie ihre Bestellung aufgegeben haben. Seien Sie versichert, dass Nikon hart daran arbeitet, diese Störungen zu beheben und die Produkte vorrangig an die betroffenen Kunden zu liefern.“

Leica

„Ich würde sagen, dass unser Produktions- und Lieferkettenteam in diesen turbulenten Zeiten bisher gute Arbeit geleistet hat. Als mittelgroßer Hersteller stehen wir unter einem anderen Druck als die großen Massenhersteller. Wir haben auch keine interne Konkurrenz für Komponenten aus anderen Produktbereichen, so dass wir uns ausschließlich auf ein Kernsortiment konzentrieren können. Wir haben eine Vervielfachung der Komponentenpreise erlebt, konnten diese aber bisher weitgehend auffangen. Die Aussichten für die nächsten sechs bis 12 Monate sind immer noch herausfordernd, und es ist unwahrscheinlich, dass wir nicht Momente haben werden, in denen wir die Kundennachfrage nicht befriedigen können. Wir werden diese so weit wie möglich im Voraus planen, um Enttäuschungen zu vermeiden.“

OM Digital

„Wir sehen uns mit einigen begrenzten Produktknappheiten konfrontiert, die nicht nur auf uns zurückzuführen sind – aus verschiedenen Gründen (hohe Nachfrage bei wichtigen Produktlinien, Covid, verschiedene Störungen in der Lieferkette), aber wir sehen keine Verzögerungen in unserem Plan für die Einführung neuer Produkte auf der Grundlage der aktuellen Informationen.“

Panasonic

„Die Imaging-Branche sieht sich derzeit mit einer Reihe von globalen Herausforderungen konfrontiert, die alle Kamerahersteller betreffen, und Panasonic ist dagegen nicht immun. Wir tun weiterhin unser Bestes, um die Anforderungen unserer Kunden zu erfüllen, und wir freuen uns darauf, im Frühjahr 2022 unsere neuesten Updates zu präsentieren.“

Sigma

„Seit dem letzten Jahr ist die Versorgung nicht nur mit Halbleitern, sondern auch mit Materialien und Komponenten aufgrund der Schließung von Fabriken und der Unterbrechung der Logistik, die durch die COVID-19-Abriegelung in Städten auf der ganzen Welt verursacht wurde, angespannt, ein Problem, das alle Branchen betrifft, nicht nur Kameras und Wechselobjektive. Was Sigma betrifft, so haben die enge Zusammenarbeit mit den Zulieferern und unsere eigenen Anstrengungen trotz der oben genannten Probleme zu keinen größeren Auswirkungen auf die Produktion geführt, und wir haben bisher reibungslos gearbeitet. Allerdings sind die Aussichten für die Versorgung mit Materialien und Teilen seit Anfang 2022 zunehmend unsicherer geworden, und es besteht die Möglichkeit, dass unsere Produktion in Zukunft beeinträchtigt wird. Sigma wird sein Möglichstes tun, um seine Lieferverpflichtungen zu erfüllen und Unannehmlichkeiten für unsere Kunden zu vermeiden.

Zeiss

„Natürlich sind auch wir bei Zeiss von der Halbleiterknappheit und den Preissteigerungen bei Komponenten im Fotobereich betroffen. Wir profitieren aber von einer überschaubaren Menge an Halbleiterbauteilen in Objektiven, unseren langjährigen und zuverlässigen Lieferantenbeziehungen und unserer langfristigen Planung.“

Beitragsbild: Chuttersnap

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Klar, Canon ist nach Euere Ansicht wohl nicht so wichtig 🙁

Cheryll

Canon möchte eine Chip Fabrik direkt in Japan eröffnen 2023. Sony plant dieses für 2024. https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/canon-profiliert-sich-mit-spezial-chips-d6581972-58f4-11ec-bddb-5d04eea0c334

Alfred Proksch

Zwar muss ich nicht, möchte aber trotzdem ein zusätzliches Gehäuse und ein weiteres Objektiv anschaffen. Es wird sich zeigen ob verlängerte Lieferzeiten auftreten. Ärgerlich wenn dem so sein sollte. Besonders weil es im preislich oberen Segment stattfände.

Für mich stellt sich die Frage ob der vorhandene Engpass für etliche Hersteller nicht eine günstige Gelegenheit ist mit Hinweis auf den Teilemangel eine längst fällige Sortimentsbereinigung durchzuführen.

Was da so wortreich geäußert wird sind windelweiche Absichtserklärungen, wert sind sie nichts.

Rüdiger

Zeiss und OM Digital sind schon erstaunlich verbindlich. Was sollen sie aber auch sagen?

„Der Teilemangel wird dafür sorgen, dass die meisten unserer Produkte lange Zeit nicht lieferbar sind. Kaufen Sie besser bei der Konkurrenz!“ 😉

Der Teilemangel ist sicher keine günstige Gelegenheit. Sortimentsbereinigung wird ein Hersteller durchführen, wenn die Nachfrage nach einem Modell sinkt oder er keinen Gewinn mehr damit machen kann. Wenn Teile für das profitabelste Modell fehlen, ist das für den Hersteller ziemlich dumm.

Alfred Proksch

Hallo Rüdiger

In normalen Zeiten ist das richtig, die haben wir nicht denn die Engpässe betreffen alle Gewerke. Mitbewerber sind auf die selben Lieferketten angewiesen. Eine größere Bevorratung elektronischer Bauteile ist eher selten möglich.

Deswegen ist ausweichen auf einen anderen Hersteller eher Glücksache als die Regel, der hat die selben Beschaffungsprobleme.

Das profitable Produkte bevorzugt gefertigt werden ist logisch, würde ich auch so machen. Artikel in größeren Stückzahlen sind das Problem, deswegen hat Sony einige Kameramodelle in der Produktion zurückgestellt. Ob die „alten“ Modelle wieder hochgefahren werden oder ob gleich ein Nachfolger aufgelegt wird wird man sehen.

Für mich ist das eine „vorübergehende“ Sortimentsbereinigung weil es zweifelhaft ist das weniger Gewinn bringende Produkte weiterhin gefertigt werden.

Roman.Tisch

Naja, eigentlich sind wir doch alle einfach nur noch verwöhnt, was Lieferzeiten und Produktvielfalt angeht. Ich finde die Situation eigentlich ganz gut, denn dann lernen die Leute vielleicht endlich wieder das zu schätzen, was sie schon haben und merken dann, dass sie nicht ständig den Nachfolger oder eine andere Variante brauchen. Ebenso merken die Hersteller jetzt vielleicht endlich, dass ihre Produktpaletten zu arg aufgeblasen sind. Alleine bei Smartphones gibt es von einem Hersteller gefühlt 100 Modelle. Das braucht keiner und jetzt müssen sich die Hersteller eben auf die Produkte konzentrieren, die sich am besten verkaufen.

joe

Eigentlich doch fantastisch. Da kann man endlich mit den vorhandenen Objektiven und Kameras alles ausprobieren, was ansonsten wegen GAS nie ausprobiert worden wäre. Perfekte Therapie gegen (meinen) Konsumwahn! Und man spart noch dazu eine Menge Geld.

Robert B.

Vielleicht macht sich manche/r auch die Mühe, und liest einmal gründlich die Bedienungsanleitung der vorhandenen Kamera durch. Dabei kommt dann heraus, dass doch mehr Möglichkeiten vorhanden sind, als ursprünglich vermutet wurde, womit sich eine Neuanschaffung erübrigen würde. Wenn jetzt noch die zu erwartende Heizkostenabrechnung dazu kommt, dann werde die Kaufpläne schnell ad acta gelegt.

Robin

Ungelesen, es gibt auch einen Kartoffel Mangel.

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