Inmitten der Social-Media-Müdigkeit vieler Fotografen entsteht eine neue Bühne für sorgfältig kuratierte Bilder. Irys und WhiteWall bündeln ihre Kräfte, um Fotografie nicht als Wegwerf-Content, sondern als langfristig sichtbare Arbeit zu verstehen.
Die deutsche Fotodruckerei WhiteWall, das seit 2019 Teil der Cewe-Gruppe ist, steigt als Gründungspartner bei Irys ein. Die Social-Media-App widmet sich ausschließlich der Fotografie und wurde 2025 vom Fotografen Alan Schaller gegründet. Sein Ziel war es, einen Gegenpol zu algorithmusgesteuerten Netzwerken zu schaffen, in denen Videoinhalte dominieren und Bilder oft untergehen.
Irys unterscheidet sich grundlegend von Instagram und Co. Die App verzichtet bewusst auf sichtbare Likes und Follower-Zahlen. Endloses Scrollen soll es hier nicht geben. Stattdessen stehen hochauflösende Bilder und der Austausch unter Fotografen im Mittelpunkt. Fotos lassen sich aktuell beispielsweise mit bis zu 30 Megabyte hochladen, bald sollen sogar 50 MB unterstützt werden. Downloads werden standardmäßig geblockt und sogar Mechanismen gegen Screenshots sind geplant.
“Fotografie ist keine Wegwerfware – sie ist Kunst, ein Beruf oder eine Leidenschaft. Irys existiert, um genau das zu ermöglichen: echte Fotografie sichtbar zu machen – mit Sorgfalt”, so Schaller. Erst kürzlich hatte Instagram-Chef Mosseri erklärt, dass er seine Plattform zum Zuhause für “authentische Momente”, sprich weniger für richtige Fotografie, machen möchte.

Als erste gemeinsame Aktion veranstaltet WhiteWall exklusive Fotowettbewerbe innerhalb der App. Der Auftakt widmet sich der Reisefotografie und läuft bereits. Drei weitere Contests folgen 2026, jeweils über zwei Monate. Die Gewinner erhalten Gutscheine im Wert von 200 bis 500 Euro, um ihre Arbeiten professionell drucken und rahmen zu lassen.
Doch die Wettbewerbe sind nur der Anfang. WhiteWall-CEO Thomas Alscheid plant, hochwertige Prints künftig direkt aus der App heraus anzubieten. Die enge Anbindung an die Irys-Community soll dem Unternehmen helfen, die Bedürfnisse von Fotografen besser zu verstehen und darauf einzugehen.
Bis zu 100 Fotos kostenlos teilen
Irys ist für iOS und Android verfügbar. Die kostenlose Version erlaubt bis zu zehn Uploads täglich und maximal 100 Bilder insgesamt. Wer mehr möchte, zahlt ab 5,99 Euro monatlich oder 59,99 Euro jährlich für ein Premium-Abo. Damit erhaltet ihr Zugang zu höherer Upload-Qualität, mehr Speicherplatz und exklusiven Wettbewerben.
Im App Store kommt Irys bislang auf durchschnittlich 3,8 von 5 Sternen und polarisiert vor allem beim Design. Nutzer loben Idee und Bildqualität und fühlen sich an das “alte Instagram“ für Fotofans erinnert, kritisieren aber eine wenig intuitive Bedienung, eine grelle Farbwelt und eine UI, die vom Bild ablenke. Die Entwickler reagieren zwar sichtbar auf das Feedback und verweisen auf laufende Verbesserungen, müssen das Versprechen einer fotofokussierten Plattform gestalterisch aber noch konsequenter einlösen.
Für Fotografen, die von der Dominanz von Videoinhalten auf klassischen Apps frustriert sind, könnte Irys trotzdem eine interessante Alternative sein. Die App versteht sich nicht nur als soziales Netzwerk, sondern will ein ganzes Ökosystem aufbauen: mit eigenem Magazin, Buchverlag und Galerienetzwerk. Ob sich das Konzept langfristig gegen die eingefleischten Netzwerke behaupten kann, bleibt abzuwarten, und die Vorzeichen sind nicht die besten.
Schließlich sind sie nicht allein auf dem Markt der Anti-Algorithmen: Hier im Blog habe ich etwa auch schon über die App Foto berichtet, die eine ganz ähnliche Vision verfolgt, oder noch früher über Vero, das sich trotz einigen Hypes von einflussreichen Fotografen nicht so richtig etablieren konnte. Die deutsche Plattform EyeEm, die sich ebenfalls an professionelle Bildproduzenten richtete, musste vor kurzem die Tore schließen.
via: PetaPixel


Ist das Kunst oder kann das weg !?!
Bilder sind dann gut wenn sie sich verkaufen. Genau darum geht es.
Weil es unglaublich viele „Bildersammel-Agenturen“ – vor allen Dingen global gesehen Millionen Menschen gibt die ihre Werke kostenlos zur Verfügung stellen weil sie die jeweiligen Geschäftsbedingungen nicht genau gelesen haben sind Portale wie Irys zum scheitern verurteilt.
Das Bla-Bla von wegen digitale Aufmerksamkeit erregen und dadurch neue Kunden für das eigene Geschäft zu gewinnen kann man sich sparen. Früher war der Spruch: Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern aktuell. Heute müsste es heißen nichts ist so alt wie das Bild/Video von vor einer Stunde.
Als Fotograf täglich mehrere Stunden vor dem Rechner sitzen damit man „im Gespräch“ bleibt? Ehrlich? Verspricht das den beruflichen Erfolg?
Bilder sind wertvoll, wenn sie sich verkaufen. Das tun sie, wenn sie den Zeitgeist treffen. Ob sie gut sind, liegt im Auge des Betrachters.