Ein ungarischer Umweltpädagoge holt den wichtigsten Preis der europäischen Naturfotografie. Sein Motiv fand er in einem Fledermausstollen.
Mit einer Nikon D7200 aus dem Jahr 2015 hat der Ungar Imre Potyó das beste europäische Naturfoto des Jahres aufgenommen. Sein Bild “Verborgene Welten” zeigt einen Schimmelpilz auf Fledermauskot und setzte sich gegen mehr als 26.000 Einsendungen aus 46 Ländern durch. Zum ersten Mal in der 26-jährigen Geschichte des Wettbewerbs Europäischer Naturfotograf des Jahres der Gesellschaft für Naturfotografie (GDT) stammt das Siegerbild aus der Kategorie Pflanzen und Pilze.
“Schon seit 13 Jahren fotografiere ich überwinternde Fledermäuse in geschützten, nur eingeschränkt zugänglichen Stollen im ungarischen Börzsöny-Gebirge, doch diese Bildkomposition war mir bisher noch nie in den Sinn gekommen”, sagt Potyó. Die Kleinen Hufeisennasen wachen während des Winterschlafs gelegentlich auf, um Insekten zu jagen. Ihr Kot sammelt sich mit der Zeit zu einer dunklen Schicht, auf der ein weißlicher Köpfchen-Schimmelpilz wächst.

Potyó fotografierte den Pilz mit dem Tamron 60mm f/2 Makro bei ISO 320, dazu nutzte er ein Stativ und eine LED-Lampe. Die überwinternden Fledermäuse sind im Hintergrund zu sehen. Während der Langzeitbelichtung verschob er den Fokus. Das Bild entstand bei einer kontrollierten Fledermauszählung, ohne die Tiere zu stören.
Jurymitglied Tom Gilks, Geschäftsführer der Nature Picture Library, sieht in dem Bild einen Hinweis auf all das, was wir sonst übersehen. “Ein großer Teil des Lebens existiert jenseits unserer unmittelbaren Wahrnehmung, an Orten, die wir nur selten oder nie aufsuchen, und unter Organismen, die wir kaum bemerken”, sagt Gilks. “In einer Zeit, in der die biologische Vielfalt in beispiellosem Ausmaß verloren geht, verschwinden viele dieser Welten, bevor sie überhaupt angemessen dokumentiert, geschweige denn verstanden wurden.”
Potyó arbeitete früher als Wissenschaftler und ist heute Umweltpädagoge im Donau-Ipoly-Nationalpark, zu dem das Börzsöny-Gebirge gehört. Als Fotograf sucht er gezielt nach Motiven, die selbst unter Naturfotografen kaum bekannt sind. Beim Wildlife Photographer of the Year wurden bereits sieben seiner Bilder ausgezeichnet, 2023 gewann er außerdem die Hauptkategorie des HIPA in Dubai.
Wiederholungssieger beim Unterwasser-Foto
Der Spanier Angel Fitor holte den Sieg in der Kategorie Unterwasserwelt, die er bereits 2024 und 2025 gewonnen hatte. Die fünfköpfige Jury wählte insgesamt 107 Siegerbilder in neun Kategorien und zwei Sonderkategorien aus.

Jan Wieczorek aus Polen gewann die Kategorie Vögel, Lorenzo Shoubridge aus Italien die Säugetiere und Christian Morawitz aus Deutschland die Kategorie Andere Tiere.



Den Sieg in der Kategorie Pflanzen und Pilze, aus der auch das Gesamtsiegerbild stammt, holte Fortunato Gatto aus Großbritannien. Bei den Landschaften lag Antje Kreienbrink aus Deutschland vorn. Mensch und Natur ging an Petr Bambousek aus Tschechien, Atelier Natur gewannen Hermann Hirsch und Jan Leßmann gemeinsam.




Bei den Jugendlichen bis 14 Jahre holte Marla Schwarze aus Dortmund mit “Wintergold” den ersten Platz, bei den 15- bis 17-Jährigen Szymon Bartołd aus Polen mit “Schwanensee”.


Biber zwischen Neubauten in Olsztyn
Wieczorek gewann zusätzlich den Rewilding Europe Award. Sein Bild “Stadtbiber” zeigt eine nächtliche Gruppe Biber vor einer neuen Wohnsiedlung im polnischen Olsztyn. Die Tiere leben dort seit Jahren an einem Fluss mitten in der Stadt, Wieczorek beobachtet sie seit rund 15 Jahren. “Die Geschichte hinter diesem Bild zeigt, dass Natur nicht immer irgendwo weit weg zu finden ist. Sie kann sich direkt neben unseren Häusern, unter unseren Brücken und mitten in unseren Städten entfalten”, sagt Wieczorek.

Platz zwei ging an Christoph Kaula für das Bild eines jungen Feldhamsters im Käfig, das die Zuchtprogramme für die bedrohte Art in Deutschland thematisiert. Lobende Erwähnungen erhielten Fabian Thorand, Silke Hüttche und Lewis Jefferies.




Den Fritz Pölking Preis für Fotoprojekte gewann der Niederländer Michiel van Noppen mit “Die Gärtner des Waldes”. Er dokumentiert darin den Baird-Tapir und den seltenen Jícaro-Danto-Baum, der sich ohne den Tapir nicht fortpflanzen kann. Der Jugendpreis ging an den Norweger Tobias Gjerde für “Der Zauber der nordischen Wildnis”.



Ausstellung startet im Dezember in Verden
Die GDT vergab die Preise am 23. Oktober beim Internationalen Naturfotofestival in Lünen. Potyó erhält 3.000 Euro von Canon und eine Reise für zwei Personen in die Masai Mara, die Kategoriesieger bekommen je 800 Euro, die Zweitplatzierten je 500 Euro. Insgesamt vergab die GDT Preise im Wert von mehr als 43.500 Euro.
Alle Siegerbilder gehen nun drei Jahre lang als Ausstellung auf Tour durch Deutschland und das europäische Ausland. Den Auftakt macht Anfang Dezember 2026 das Deutsche Pferdemuseum in Verden bei Bremen.
Im Vorjahr hatte der Berliner Luca Lorenz den Wettbewerb mit dem Bild eines Sperlingskauzes gewonnen und war damit der jüngste Gesamtsieger in der Geschichte des Wettbewerbs. In diesem Jahr holte Lorenz auch den Gesamtsieg im Mitgliederwettbewerb der GDT.
Beitragsbild: Imre Potyó/Nikon


Ich freue mich für den Gewinner! Die neue, leistungsfähige Technik ist klasse und begeistert mich – ist aber nicht immer ausschlaggebend.
Die Beugungsunschärfe bei f25 hätte auch neuere Technik nicht wegbekommen.