Marktgeschehen

EyeEm macht dicht: Berliner Fotoplattform schließt nach turbulenten Jahren endgültig

Die Fotoplattform EyeEm schließt in Kürze endgültig. Wir blicken zurück auf die letzten Jahre und verraten, was mit euren Bildern passiert.

Die internationale Stock-Foto-Plattform EyeEm stellt ihren Betrieb am 16. Januar 2026 ein. Nach Jahren voller finanzieller Turbulenzen, einer Insolvenz und einem Eigentümerwechsel ist nun endgültig Schluss. Fotografen, die ihre Bilder auf der Plattform hochgeladen haben, stehen vor einer wichtigen Entscheidung: Entweder sie übertragen ihre Inhalte zu Freepik oder sie verlieren sie komplett.

Vom Instagram-Konkurrenten zum Insolvenzfall

Das 2011 in Berlin gegründete Unternehmen galt einst als vielversprechende europäische Alternative zu Instagram. EyeEm positionierte sich nicht nur als soziales Netzwerk für Fotografen, sondern auch als professionelle Stock-Foto-Datenbank mit über 160 Millionen Bildern und einer Community von 150.000 Fotografen. Viele professionelle Fotografen nutzten die Plattform, um ihre Bilder zu lizenzieren und zu verkaufen.

Doch seit 2022 häuften sich die Probleme. Damals zahlte EyeEm monatelang keine Tantiemen an Fotografen aus und schob die Schuld auf “globale Ereignisse”. Die finanzielle Schieflage hatte auch mit dem damaligen Schweizer Mutterkonzern Talenthouse AG zu tun, der 2021 noch 40 Millionen US-Dollar für EyeEm bezahlt hatte.

Nur wenige Monate später war die Plattform nur noch einen einstelligen Millionenbetrag wert. Talenthouse selbst geriet in massive finanzielle Schwierigkeiten und musste EyeEm schließlich im April 2023 in die Insolvenz schicken, um den eigenen Kollaps abzuwenden – hat nichts gebracht, auch hier war 2024 endgültig Schluss.

Rettung durch Freepik währte nicht lange

Der spanische Stock-Foto-Anbieter Freepik übernahm die Plattform noch im selben Jahr. CEO Joaquin Cuenca Abela signalisierte damals die Absicht, mit der Fotografen-Community von Beginn an ins Reine zu kommen und beglich die ausstehenden Zahlungen. Teilweise hatten Fotografen ein Jahr auf ihr Geld warten müssen.

Freepik sah vor allem Potenzial in EyeEms Bildbibliothek und wollte die Inhalte besser monetarisieren. Auch KI-Optionen standen auf der Agenda. Damals hoffte man, dass EyeEm unter neuer Führung eine Zukunft haben könnte. Diese Hoffnung hat sich nun zerschlagen.

Was passiert jetzt mit den Bildern?

In einer E-Mail an die Fotografen erklärt EyeEm laut PetaPixel, dass alle vertraglichen Beziehungen am 13. Januar 2026 enden. Ab diesem Zeitpunkt sind die Inhalte nicht mehr zugänglich, können nicht mehr heruntergeladen und nicht mehr lizenziert werden.

Fotografen haben nun zwei Optionen: Sie können aktiv zustimmen, ihre Inhalte zu Freepik zu übertragen. Dafür müssen sie einen speziellen Link nutzen, um ihre Identität zu verifizieren und ihr EyeEm-Konto mit Freepik zu verknüpfen. Wer das nicht tut, verliert seine Bilder, denn sie werden dauerhaft gelöscht.

Besonders relevant für viele professionelle Fotografen: Bilder, die über EyeEm an Partneragenturen wie Getty Images oder iStock verteilt wurden, werden ebenfalls von diesen Plattformen entfernt. Bereits verkaufte Lizenzen bleiben zwar gültig, neue Verkäufe sind aber nicht mehr möglich.

EyeEm verspricht, alle ausstehenden Einnahmen aus Bildverkäufen noch auszuzahlen. Dieser Prozess soll auch nach der Schließung der Website und App weiterlaufen. Für Abonnenten gilt: Bestehende Abos werden nicht automatisch verlängert, und wer ein Jahresabo hat, erhält eine anteilige Rückerstattung für den Zeitraum nach der Schließung.

Für viele Fotografen dürfte die Schließung keine große Überraschung sein. Bereits im April 2024 berichteten wir über umstrittene Änderungen in den Nutzungsbedingungen: EyeEm räumte sich damals das Recht ein, hochgeladene Bilder für das Training von KI-Systemen zu nutzen. Ein Opt-out war nicht vorgesehen. Wer nicht einverstanden war, musste seine Fotos komplett von der Plattform löschen.

Schon damals schrieben wir, dass wir nicht an eine rosige Zukunft für EyeEm glauben. Diese Einschätzung hat sich nun also bestätigt. Die Plattform, die einst in einem Atemzug mit Instagram genannt wurde, verschwindet nach knapp 15 Jahren endgültig von der Bildfläche.

Wer noch Fragen hat, kann sich an den Support unter support@eyeem.com wenden. Weitere Informationen finden sich in diesem FAQ. Was für Erinnerungen verbindet ihr mit EyeEm?

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Alfred Proksch

Mir ist soeben nach einem 10 minütigen lokalen Stromausfall vor einer halben Stunde beim aktuellen lesen der entstehenden Konsequenzen für die beteiligten Fotografen im Fall EyeEm ein viel schlimmerer Gedanken gekommen.

Wer seine Bilder in der Cloud gespeichert hat weiß erstens nicht wo rund um den Globus die Server stehen, wer tatsächlich Zugriff hat (Verschlüsselung mit herkömmlicher Software sind höchstens ein kleines Hindernis) und zweitens was/wer bei dortigen Stromausfällen, Überschwemmungen, sonstige Naturkatastrophen rechtlich gesehen wegen Schadenersatzansprüchen zuständig ist.

Eine Frage hätte ich an die Menschen mit Smartphone Bildern in einer Cloud!! Bitte um ehrliche Antwort. Könnt ihr auf ALLE je gefertigten Smartphone Bilder/Videos noch zugreifen oder habt ihr schon Verluste zu beklagen?

Ingo

Hi Alfred. Also, die wenigsten Gedanken würde ich mir um die Technik eines Servers machen. Die großen Anbieter werden sicher mehrere Server nutzen, die physisch weiter voneinander entfernt stehen und redundant aufgebaut sind.

Alfred Proksch

Servus Ingo

Um die Technik mache ich mir die wenigsten Sorgen, auch nicht darum das ALLE meine Bilder auf einem EINZIGEN Server liegen. (Kein einziges Dokument egal ob Bild/Video ist außerhalb meines Einflussbereiches gespeichert)

Nicht überall auf dem Globus gehen „Pleiten“ so geregelt wie bei uns von statten. Ohne das der Kunde gefragt wird verkaufen zum Beispiel bei uns Versicherer interessante Sparten an andere Anbieter. Hier ist wenigstens der Fotograf gefragt ob er mit „Freepik“ und deren Geschäftsbedingungen einverstanden ist. Wenn nicht dann werden die Bilder gelöscht – das ist mal ein „Angebot das man nicht ablehnen kann“. Das an Serverstandorten vieler anderer Staaten Regelungen für solche Fälle vorhanden sind wage ich zu bezweifeln.

Das digitale Bildergeschäft hat so rein gar nichts mehr mit seriösen Agenturen gemein. Training von KI mit unseren Werken ist nur die Spitze vom Eisberg. Bewegungsmuster von Smartphone Bildern kombiniert mit Kaufverhalten oder ähnliche „Raster Funktionen“ sind Geld wert selbst wenn sie nicht personalisiert sind.

K. W.

” Wer seine Bilder in der Cloud gespeichert hat weiß erstens nicht wo rund um den Globus die Server stehen”… .
Ein Server steht in Luxemburg, andere Festplatten im Keller und kein Backup gehört Meta oder Microsoft. Absolute Sicherheit gibt es nicht.

Auf dem Handy sind in der Regel nur Kopien. Die Handykamera ist in der Regel bei mir noch irrelevant.

Die Cloud und die Seperaten Festplatten haben mich bei einem Festplattentot im PC gerettet.

Henry

Es ist so schön praktisch, seine Bilder in die Cloud hochzuladen. Doch wenn man Pech hat, werden sie geklaut oder zerstört, wenn genau der Server, auf dem Bilder ruhen, seinen Geist aufgibt.
Ich lade überhaupt nichts in die Cloud hoch. Keine Bilder, keine anderen Dokumente. Nichts. Es gibt so gute Möglichkeiten, seinen Kram zuhause zu speichern. Ich muss darauf auch nicht immer zurückgreifen können, egal, wo ich gerade bin.

Peter Braczko

Sehr guter Kommentar von Henry!

M. Moeller

Meine Erfahrungen mit EyeEm?

Zu zwei Dritteln der letzten 13 Jahre nur die besten.

Was hatten wir denn da?

  • Eine Community mit Followern, Bekanntschaften, Austausch und Kommentaren zu den Fotos.
  • Inspirierende Fotografen von denen man eine Menge lernen konnte.
  • Sogenannte Missions. Kleine Mini Kooperationen bei denen man “Dinge” gewinnen konnte oder seine Photos Kunden präsentieren.
  • Kuratierte Ausstellungen und global sehr große Fotowettbewerbe mit vielen Teilnehmern.
  • Eine Verkaufsplattform mit Partnern wie Adobe, Getty Images, Westend61 u.a. am Markt bekannten (was mir mittlere 5stellige Einnahmen eingebracht hat).
  • Es wurden verschiedene Bücher mit Fotografien der Fotografen herausgebracht. Ein Paar von denen liegen hier noch und werden wie Schatze gehütet.
  • 3 Kunst und Photografie begeisterte CEOs die den Laden mit Begeisterung führten.

Also eigentlich war EyeEm ein verdammt idealistisches Projekt das am Ende in die absolut falschen Hände fiel.
Für viele Fotografen (wie mich) auch stilbildend.
Ich war jetzt von Anfang bis zum Ende dabei und habe die meiste Zeit ziemlich genossen.

Schade eigentlich.
Es gibt keine andere Plattform die so etwas (s.o.) noch bietet.

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