Marktgeschehen

Meine Gedanken zum Ende der photokina

Eine Ära geht zu Ende: Nach 70 Jahren ist vorerst Schluss für die photokina. Meine Gedanken zum Aus der Kölner Fotomesse und was es für die Branche bedeutet.

Das Ende der photokina hat sich abgezeichnet

Am 27. November 2020 hat die Koelnmesse in einer Pressemitteilung das vorläufige Ende der photokina verkündet. Man hält sich zwar ein kleines Hintertürchen offen, doch dass die photokina in ihrer bisherigen Form nochmal wiederkehren wird, ist mehr als unwahrscheinlich.

Als mich die Nachricht zum Ende der photokina erreichte, war ich zunächst einmal getroffen und traurig. Nicht nur wegen des Endes der eigentlichen Messe, sondern auch wegen den Hintergründen, die die Veranstalter zu dieser Entscheidung bewegt haben. Die gesamte Kamerabranche ist in den letzten Jahren stark geschrumpft und es gibt kaum einen Hersteller, der aktuell nicht mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat.

Bin ich über das Aus der photokina verwundert? Ja und nein. Nein deshalb, weil sich ja schon seit längerer Zeit abgezeichnet hat, dass das ursprüngliche Konzept der Messe inzwischen überholt ist. Gleichzeitig war ich aber überrascht, dass A) das Ende der photokina schon jetzt gekommen ist und B) nicht zumindest versucht wird, die Messe in einem kleineren Rahmen fortzuführen. Warum von 100 auf 0? Da sollte es doch noch etwas dazwischen geben, oder nicht?

Was mich mit der photokina verbindet

Ich selbst war zwei Mal auf der photokina, in den Jahren 2014 und 2016. Beide Male war ich gewissermaßen beruflich und im “Auftrag” von Photografix dort. Die beiden Besuche der Messe war für mich dementsprechend in erster Linie mit Stress verbunden. Pressekonferenz von Panasonic um 16:00 Uhr, anschließend schnell zum anderen Saal, weil um 17:00 Uhr schon Sony dran ist. Moment, wo ist der andere Saal überhaupt? Wann finde ich mal Zeit Artikel zu schreiben? Und wo gibts hier endlich mal was zu essen?

Keine Frage, neben dem Stress war das alles aber auch eine wahnsinnig positive und aufregende Erfahrung für mich. Trotzdem habe ich mich im Jahr 2018 dazu entschieden, nicht mehr zur photokina zu fahren. Von vielen Events gab es inzwischen sowieso Livestreams und von zuhause aus konnte ich einfach wesentlich konzentrierter arbeiten und die Photografix Community mit News und Artikeln versorgen. Man muss heutzutage einfach nicht mehr vor Ort sein, um an Informationen zu kommen. Und die Hersteller müssen im Umkehrschluss auch nicht mehr an Messen teilnehmen, um Informationen zu den eigenen Neuheiten zu verbreiten. Kein Wunder also, dass sich viele dazu entschlossen hatten, für die photokina 2019 abzusagen.

Der persönliche Kontakt ist wichtiger denn je

Wozu ist eine Messe wie die photokina in der heutigen Zeit also noch gut? Meiner Meinung nach eigentlich primär um mit anderen ins Gespräch zu kommen, Kameras und neues Equipment auszuprobieren, sich inspirieren zu lassen und Kontakte zu knüpfen. Das sind auch heute noch wahnsinnig wichtige Punkte und vielleicht sind sie in Zeiten von Digitalisierung und der Anonymität des Internets sogar wichtiger denn je.

Doch so unentbehrlich diese Punkte auch sein mögen: Für die meisten war eine Fahrt nach Köln am Ende des Tages einfach mit zu viel Aufwand verbunden. Bei einer weiten Anreise braucht man ein Hotel, hinzu kommen noch die nicht gerade geringen Eintrittskosten. Und das waren dann für viele auch die Gründe, warum sie schlussendlich doch nicht zur photokina gefahren sind. Auch wenn sie eigentlich Lust gehabt hätten.

Vielleicht ist es für die Zukunft eine Lösung, weg von der einen großen zentralen Messe hin zu vielen kleinen Veranstaltungen in ganz Deutschland zu gehen. Viele Fotofachgeschäfte setzen das ja bereits erfolgreich in Form von Hausmessen um. Da sind dann Experten von den jeweiligen Herstellern vor Ort, bekannte Fotografen halten Vorträge, man kann Kameras ausprobieren, ins Gespräch kommen. Da haben am Ende alle was davon. Und man muss als Besucher eben nicht die weite Reise nach Köln auf sich nehmen.

Wenn man ganz positiv sein möchte könnte man also hoffen, dass das Ende der photokina sogar etwas Gutes für die Fachgeschäfte hat, da sie noch stärker zum Ort der Zusammenkunft, des Ausprobierens und der persönlichen Gespräche werden können. Das sind wichtige Alleinstellungsmerkmale und Stärken, die die lokalen Geschäfte in meinen Augen unbedingt weiter ausbauen müssen. Ein Fotoladen darf in der heutigen Zeit nicht mehr nur ein Geschäft sein, in dem ich eine Kamera kaufen kann. Das kann ich auch im Internet machen. Ein Fotogeschäft muss ein Ort zum Wohlfühlen sein. Ein Ort für alle Fotoverrückten, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sicherlich weniger werden, aber ganz sicher nicht aussterben werden.

Mark Göpferich

Mark Göpferich

Gründer von Photografix und freiberuflicher Redakteur, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit rund 4.000 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.

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