Kameras Sony

Meine Meinung zur Sony A7c

Die Sony A7c verbindet ein kompaktes Gehäuse mit einem Vollformatsensor und den Specs der A7 III. Reicht das, um zu überzeugen? Meine persönliche Meinung.

Anfang September 2020 hat Sony vollmundig die Präsentation einer Kamera mit einem “neuem Konzept” angekündigt. Inzwischen wissen wir, dass es bei dieser Beschreibung um die neue Sony A7c ging und es drängt sich die Frage auf, ob man das Konzept der A7c denn wirklich als “neu” bezeichnen kann.

Die Richtung stimmt!

Sony kombiniert bei der A7c ein äußerst kompaktes Gehäuse mit den technischen Daten einer modernen spiegellosen Vollformatkamera. Die Richtung, die Sony mit dieser neuen Kamerareihe einschlägt, gefällt mir persönlich sehr gut. Das liegt unter anderem daran, dass das Vollformat meiner Einschätzung nach das zukunftssicherste Sensorformat ist. Wenn man mir heute sagen würde, dass es in 15 Jahren nur noch Kameras mit einer einzigen Sensorgröße gibt und mich fragen würde, welches Sensorformat denn meiner Meinung nach überleben wird – ich würde mein Geld auf die Vollformatsensoren setzen. Unter anderem weil Canon und Sony, die beiden Hersteller, die ich derzeit als am stärksten einschätzen würde, in den nächsten Jahren primär auf Vollformatkameras setzen werden.

Nehmen wir also mal rein theoretisch an, dass tatsächlich alle anderen Sensorformate außer dem Vollformat aussterben werden. Dann ist es selbstverständlich wichtig, dass Vollformatkameras kompakter werden, denn die kompakten Abmessungen sind ja ein großer Vorteil von Micro-Four-Thirds- und APS-C-Kameras. Und auch wenn man bei der professionellen Arbeit vielleicht gerne etwas Größeres zum Anpacken hat, dann bevorzugen unterwegs doch viele eine leichte und kompakte Kamera.

Mit der A7c sagt Sony jetzt: Schaut her, wir können einen Vollformatsensor in das Gehäuse einer APS-C-Kamera packen. Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal von APS-C- und Micro-Four-Thirds-Kameras löst sich mit der A7c also langsam in Luft auf. Deshalb ist die A7c eine wichtige Kamera und ich finde es absolut sinnvoll, dass Sony das eigene Sortiment in diese Richtung erweitert.

Kompakt, aber nicht kompakt genug

Wenn ich mir jetzt aber die Sony A7c im Speziellen anschaue, dann würde ich nicht von einem “neuen Konzept” sprechen wollen. Überhaupt überzeugt mich das, was ich da sehe, nicht so wirklich. Jaja, die A7c ist die “kompakteste Vollformatkamera inklusive Sucher der Welt” – klingt beeindruckend! In der Praxis ist die A7c aber einfach eine A7 III ohne Sucherbuckel, wie man bei diesem Größenvergleich schön sehen kann. Ist die Sony A7c damit jetzt viiiiiiiel leichter als die A7 III? Nö. Passt sie auf einmal in die Hosentasche? Nö. Ja, sie ist etwas kompakter. Aber macht das am Ende wirklich einen Unterschied? Für mich persönlich nicht. Vor allem weil ich für diese Kompaktheit auf einen gescheiten Sucher, einen Joystick, ein Front Dial und drei Custom Buttons verzichten muss. Nein danke.

Versteht mich nicht falsch, die Sony A7c ist mit Sicherheit eine sehr gute Kamera. Logisch ist sie das, das ist im Grunde eine A7 III – und die hat vor gerade mal zwei Jahren neue Maßstäbe gesetzt! Darüber hinaus ist ja eindeutig erkennbar, für welche Zielgruppe die A7c interessant ist. Für all diejenigen nämlich, die sich eine möglichst kompakte Vollformatkamera wünschen und/oder Wert auf ein seitlich aus dem Gehäuse herausklappbares Display legen. Aber irgendwie fehlt mir bei der A7c etwas. So fühlt sie sich eher wie eine verspätete Alternativversion der A7 III an.

Sony schaltet einen Gang runter

Außerdem habe ich bei der A7c, wie schon bei der A6600, mal wieder das Gefühl, dass Sony hier bei der Entwicklung bewusst die Handbremse angezogen hat. Da diskutieren wir immer wieder darüber, was die Kamerahersteller denn tun können, um nicht noch mehr Anteile an Smartphonehersteller zu verlieren. Und dann kommt da Ende 2020 eine 2.100 Euro teure Kamera raus, bei der der Touchscreen im Menü nicht funktioniert. Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein.

Bei früheren Kameras von Sony, insbesondere bei der A7 III, hatte ich das Gefühl, dass Sony bei den Spezifikationen nicht geizig ist und stets versucht, Kameras auf dem aktuellsten Stand der Technik anzubieten. Nicht umsonst wurde Canon (auch von mir) in den letzten Jahren oft kritisiert, dass sie Sony in Bezug auf die technischen Daten hinterherhinken. Anstatt das Tempo weiter hoch zu halten, hat Sony für mein Empfinden zuletzt aber einen Gang runter geschaltet. Ich hoffe, dass sich das mit der kommenden Sony A7 IV wieder ändern wird.

Fazit

Kurz zusammengefasst: Mir gefällt, dass Sony das Portfolio erweitert und eine neue Kamerareihe etabliert, in der es um kompakte Vollformatkameras geht. Das ist wichtig! Die Sony A7c löst bei mir allerdings keine Begeisterungsstürme aus. Sicherlich eine gute Kamera, aber irgendwie auch ein Modell, bei dem man die 1. Generation getrost überspringen und auf den Nachfolger warten kann.

Was ist eure Meinung zur Sony A7c?

Mark Göpferich

Gründer von Photografix und freiberuflicher Redakteur, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit mehr als 3.300 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.

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