Objektive

Zeiss: Keine neuen Foto-Objektive seit über drei Jahren

Mit der ZX1 hat Zeiss für Aufsehen gesorgt, neue Foto-Objektive hat der Hersteller aber seit über drei Jahren nicht mehr präsentiert.

Zeiss ZX1: Top oder Flop?

War die ZX1 rückblickend ein Flop für Zeiss? Meiner Meinung nach schwer zu sagen. Ich finde die Idee und das Konzept der im Jahr 2018 vorgestellten Vollformatkamera nach wie vor spannend, ein richtiger Erfolg war die ZX1 vom Gefühl her allerdings nicht. In Deutschland war die Zeiss ZX1 erst mit über zwei Jahren Verspätung erhältlich und in Testberichten (wie zum Beispiel dem von DPReview mit einer Gesamtpunktzahl von 83 Prozent) hinterließ die Kamera einen guten, aber keinen sehr guten Eindruck.

Trotzdem: Zeiss hat mit der ZX1, obwohl es sich hier um eine teure Nischenkamera handelt, für Aufsehen gesorgt und sich im Gespräch gehalten. Wenn man von der ZX1 absieht (und auch diese Kamera wurde eigentlich ja bereits 2018 vorgestellt), war es in den vergangenen Jahren allerdings ruhig um Zeiss – sehr ruhig sogar. Das letzte Foto-Objektiv wurde im April 2019 vorgestellt, es war das Zeiss Otus 100mm f/1.4. Seitdem hat der Hersteller keine Foto-Neuheiten mehr auf den Markt gebracht. Man muss Zeiss allerdings zugutehalten, dass sie im Bereich der Cine-Objektive zuletzt ziemlich aktiv waren und in diesem Bereich verschiedene Objektiv-Neuheiten präsentiert haben.

Wo könnte sich Zeiss positionieren?

Nun könnte man noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass Zeiss eigentlich schon wesentlich länger kaum noch aktiv in der Fotoszene ist. Schließlich sind viele Objektive im vergangenen Jahrzehnt in Zusammenarbeit mit anderen Herstellern wie Sony, Tamron oder Cosina entstanden und diese Hersteller haben – zumindest teilweise – einen Großteil der Arbeit übernommen.

Man kann nur hoffen, dass Zeiss lediglich eine kleine Verschnaufpause eingelegt hat und früher oder später wieder mit spannenden neuen Objektiven für Fotografen auf sich aufmerksam machen wird. Insgesamt dürfte die Konkurrenz für Zeiss in den letzten Jahren aber deutlich stärker geworden sein. Sony hat zuletzt verschiedene erstklassige Premium-Objektive auf den Markt gebracht und der Bereich der etwas günstigeren FE-Objektive wird inzwischen von Sigma und Tamron dominiert.

Was denkt ihr, gibt es für Zeiss nach wie vor einen Platz in der Fotoszene oder zieht sich das Unternehmen langsam zurück?

via: Sonyalpharumors

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Alfred Proksch

Das Spielfeld ist kleiner geworden, wesentlich kleiner. Die Zeiss Nutzer sterben weg und bei den Jungen hat Zeiss Image Probleme wenn es um die Fotografie geht.

Ich würde sagen die Fotoabteilung schließen denn die anderen Geschäftsfelder von Zeiss laufen gut, da wäre die Entwicklung eines eigenen Zeiss Vollformat Systems viel zu Kosten intensiv. Objektive für fremde Systeme aushäusig bauen lassen ist nicht besonders lukrativ.

Da fällt mir eben im Moment die Zeiss Super Ikonta IV Tessar 1:3,5 f75mm ein. 6X6 Klappkamera mit echtem Sucher. Die mit dem Sony 100 Megapixel Mittelformat Sensor und einem 43mm/2,8 Otus vorne dran. Mit kluger Software sozusagen fortgeschrittene Straßenfotografie in Vollendung.

Martin S-K

Uuiijjjjj Alfred!!!

6×6 Klappkamera mit 100MP Sensor und Otus 43/2.8! Das sind sehr mächtige Worte, vereint mit einer extrem glühenden Fantasie!
Ich glaube ich fange schon mal an zu sparen, für den Fall der Fälle.

Wie es mit Zeiss und dem Geschäftsfeld der Fotografie weiter geht scheint sehr offen. Ich persönlich fände es gut, wenn die Sparte weiter existieren würde und hin und wieder mal mit einem Objektiv aufhorchen lasst (gerne auch mal wieder APS-C). Für das Traditionsunternehmen liegt mit Sicherheit der Hauptfokus nicht darauf, alle 3-6 Monate was Neues vor zu stellen. Von dem her schauen wir mal was die Zukunft hergibt.
Ich bin gespannt und geduldig!

joe

Alfred, du hast es erkannt, die Zeissianer sterben weg. Aber aus eigener Erfahrung weiss ich auch, dass Zeiss nicht immer so gut ist wie es teuer ist. Ich habe Mühe, nein ich gebe es zu, ich erkenne oft nicht auf meinen Bildern ob das jetzt mit einem meiner teuren oder günstigen Objektive fotografiert wurde, denn wie immer ist das Motiv entscheidend. Was nützt mir die berühmte Backsteinmauer in absoluter Schärfe bis an den Rand im Vergleich zu einem nicht ganz perfekten Erinnerungsfoto mit meiner ersten Freundin? Vielleicht sieht man, bei sehr aufwendigen Drucken einen Unterschied zwischen Bildern die mit unterschiedlich teuren Objektiven aufgenommen wurden, aber am TV, PC oder noch schlimmer am Handy erkennt man überhaupt nichts dergleichen. Nichtsdestotrotz freue ich mich über Perfektion, auch wenn ich sie mir nicht leisten kann oder will!

Joachim

Vermute mal, dass Zeiss sich weiter zurückhalten wird. Sie haben in der Fotographie für gehobene Ansprüche bestimmt noch Liebhaber. Solange der AF fehlt, bleibt es so etwas wie Voigtländer. AF würde auch für die entsprechenden Patente viel kosten.
Obwohl Zeiss viel Umsatz und Gewinn macht, bleibt das o.a. Optikgeschäft vermutlich klein. Bin froh mit meinen alten Sonnaren, Tessaren und Planaren für Contax noch gut bedient zu sein. Da braucht man nichts Neues.

Thomas Müller

Die Zeiss Batis Objektive mit Sony E-Bajonett Anschluss haben einen AF und sind vor allem im Vergleich zur Otus Reihe vergleichsweise günstig.

Cat

So weit mir bekannt, sind die BATIS-Objektive von Zeiss in Wahrheit Berechnungen und Produktionen von Tamron – daher auch der Autofokus.
Also mit Planar, Tessar, Biogon, Otus nicht zu vergleichen.
Und mit dem plastischen Bildergebnis hat schon Leica in den 80er Jahren Fotografen umworben um nihct zu sagen: Eingeseift.
Faktisch ist OTUS besonders gut, alles andere halte ich im Vergleich für selten verifizierbar. Japaner, sogar Sony und inzwischen selbst Chinesen können genauso excellente Objektive konstruieren und sogar bisweilen bessere. Also da hilft nur der Glaube… aber dann „für immer!“

Thomas Müller

Auch Dir Cat, vielen Dank für Deine Infos und Deine Meinung. Du siehst das deutlich kritischer als die anderen Meinungen, die hier geäussert wurden. Otus steht ja schon preislich über allem anderen von Zeiss, diese Linie hatte ich für mich momentan gar nicht im Blick. Ich dachte tatsächlich eher an Batis oder an Milvus. Leider findet man auch kaum Tests über diese beiden Objektivreihen. Ehrlich gesagt hätte ich keine Probleme mit einem qualitativ hochwertigen Batis-Objektiv, dessen Rechnung und Produktion und auch dessen AF von Tamron stammt, wenn jedenfalls die Gläser des Objektivs tatsächlich hochwertige Zeiss-Gläser sind und man das im Bildergebnis sieht. Die Werbung von Zeiss suggeriert zumindest, dass es sich um Zeiss-Glas handelt. Bei Milvus finde ich die beiden 100mm/f2 und 135mm/f2 interessant. Ungern möchte ich aber für so eine Linse 1000 – 2000 Euro auf gut Glück ausgeben, auf den AF verzichten und dann doch keine besseren BQ erhalten, als wenn ich bei Fuji, Nikon oder Sony eingekauft hätte.

Thomas Müller

Im Zusammenhang mit Zeiss Objektiven habe ich eine Frage in die Runde hier:

Zeiss wirbt mit einem speziellen Zeiss-Look seiner Wechselobjektive und nennt dies 3D-Pop. Das soll ein besonders plastischer Bildeindruck sein, der in einem besonders hohen Mikrokontrast begründet sein soll. Hat hierzu jemand mit Zeiss-Objektiven Erfahrungen gemacht? Ist da etwas dran oder ist einfach nur Werbe-Gaga? Ich bin an Zeiss-Objektiven interessiert, weshalb ich für Erfahrungsaussagen anderer hierzu dankbar wäre.
https://www.zeiss.de/consumer-products/home/website/fotografie/zeiss-look.html

Juergen R.

Ja, da ist was Wahres dran; die Zeiss Objektive sind excellent! Jedenfalls die 3 Classic Objektive, welche ich hab; Planar 1,4/50; Makroplanar 2,0/100 und Apo-Sonnar 2,0/135. Diese Optiken sind schon etwas über 10 Jahre im Handel, aber sie stecken so manche neuen Optiken in die Tasche! Genaues manuelles Fokussieren ist notwendig, vorzugsweise mit Stativ und Displaylupe, damit die Schärfe sitzt! Ich liebe das ruhige Fotografieren, lasse mir Zeit. Besonders das 100 mm und das 135 mm Objektiv sind bei Offenblende trotzdem scharf bis in die Ecken, zeigen kaum oder keine chromatischen Aberrationen. Der Mikrokontrast ist einmalig; kein Werbe-Gaga! Die Otus Objektive setzen noch ’nen Zacken drauf-unglaublich; muss man selber probieren! Als ich mal das Otus 1,4/85 zur Probe auf meine Kamera montierte, war ich hin und weg; der Fokusring lief noch softer und das Bokeh sowie die Detailwiedergabe waren auf einem noch höheren Niveau! Ich sagte erstmal nichts, war sprachlos, wollte das Teil gar nicht mehr hergeben! Otus sind teuer, aber jeden Cent wert!

Alfred Proksch

Das Zeiss Objektive der Sonderklasse bauen kann ist alt bekannt. Es gibt auch vorzügliche für das Leica M System. Das mit den Mikrokontrasten stimmt wirklich weil ich es selbst ausprobiert habe.

Joachim

Batis hatte ich nicht auf dem Schirm. Ist anscheinend so ein Einzelfall bei Zeiss. 3D-Pop erkläre ich mir so. Unbestritten sind die Zeiss Objektive Spitze. Sie erlauben in der Regel eine präzise Scharfeinstellung. Je gößer die Blendenöffnung, umso weniger wird der Schärfentiefebereich. Das ist dann der Punkt um z.B. bei Portraits auf die Augen zu fokussieren und der Rest wirkt unscharf. 3D-Pop ist eine ausgeprägte Eigenschaft aufgrund der hohen Optikgüte. Kann das so nachfühlen bei meinem 1,4/85 Planar (Contax) mit MFPeaking bei der Canon RP. Das macht einfach nur Freude. Ist auch prima bei Food oder Schmuck mit 3D-Pop. Man kann auf den Punkt scharfstellen.
Zeiss wirkt immer etwas behäbig. Schnellschüsse sind nicht deren Ding. Mein Wunschdenken wäre: Zeiss entwickelt selbst Kameras. Das Zeug hätten sie ja. Auch sind sie spezialsiert auf Chipherstellung (Laser). Das könnte man eventl. für Sensoren anwenden und passende Objektive (eventl. L-Mount). Wegen mir auch alles unter dem Namen Yashica. So hätte Zeiss alles unter einem Hut und ist kein Teilelieferant.Das wird aber Wunschdenken bleiben.

Thomas Müller

@Juergen, Alfred, Joachim:
Vielen Dank für Eure Erfahrungsberichte! Eure Aussagen bestärken mich, mich mit den Zeiss-Objektiven weiter zu beschäftigen. Vor allem für den Portrait-Bereich, also etwas zwischen 85mm und 135mm, fände ich ein lichtstarkes Objektiv mit besonders plastischer Bildwirkung sehr interessant. Es ist halt nicht ganz einfach einen Händler zu finden, bei dem solche Objektive vorrätig sind und der dann auch noch bereit ist, einem ein solches Objektiv auszuprobieren lassen. Die Zeiss Objektive sind halt bei den meisten Händlern doch Exoten.

Martin S-K

Servus Thomas,
 
diese reine Bezeichnung „3D-Pop“ würde ich gerne mehr im Werbebereich verankern.
Fakt ist aber, wie auch die vorherigen Schreiber schon festgestellt haben, dass die die sogenannten Mikrokontraste wirklich das Bild oft lebendiger wirken lassen. Ich würde sogar so weit gehen, dass ggf. der Bildeindruck schärfer wirkt als die eigentliche Schärfe hergibt. (Ich weiß, ist etwas kryptisch, ist aber halt schwer zu beschreiben, weil eben subjektiv) Worauf sich jetzt diese Mikrokontraste genau begründen ist denke ich nicht ganz eindeutig, vermute ein Zusammenspiel von Vergütung und damit wenig Streulicht speziell bei Gegenlicht, Schärfe und geringer chromatischer Aberrationen.
Ich persönlich hatte mir das Loxia 21/2.8 direkt am Anfang zugelegt und ich bin immer noch begeistert von dem Bildeindruck, was es bei vielen Bildern bietet. Manchmal, unter bestimmten Winkeln, finde ich die Flairs farblich störend, aber die „Sonnensterne“ sind immer noch extrem faszinierend.
Im Vergleich zum 24/1.4 möchte ich sogar behaupten , dass mir die Bildwirkung durch die vermeintlichen Mikrokontraste besser gefällt, aber hier möchte ich mich von einem gewissen Einfluss einer rosaroten Brille nicht freisprechen! 😉

Joachim

Das erinnert mich etwas an die Auflösemöglichkeiten. Das war früher beim Film eine entsprechende Größe (ich glaube 5Mikromm oder ähnlich, finde die übliche Schreibweise nicht auf der Tastatur). Erstaunlich war, dass man manchmal bei Luftbildaufnahmen die Abstände in einem Zebrastreifen u.ä.erkennen konnte. Was technisch eigentlich nicht möglich war. Das ist dann die Betrachtung durch das menschliche Auge. Eine Sache von Auflösung und Kontrast. Lese immer noch gerne die MTF Blätter von Zeiss. Die sind da manchmal hilfreich.

Jean Ferry

Zeiss hat einen besonderen Look, ich habe seit Jahren das 50 1.4 ZF.2 für Portraits in Verwendung. Ich hatte auch das 85 1.4 und 28mm Classic und das 28 OTUS probiert. Gerade das OTUS hätte ich sehr gerne damals gekauft. Das 85 fand ich persönlich nicht so spannend und das 28mm Classic auch nicht.

Alfred Proksch

Glas „kochen“ ist eine besondere Kunst durchaus vergleichbar mit der Winzerei. Da gibt es Fusel (so manches Kit-Objektiv), „Schnittweine“ wie sie preiswert im Supermarkt verkauft werden (so manches Fremdobjektiv) und Premium Produkte die meistens der gute Weinhandel vertreibt (darunter sind die Originale und höherpreisige Fremdobjektive gemeint).

Schon die dafür gebrauchten Mineralien unterliegen strengster Güteprüfung. Das Geheimnis „Rezeptur“ aber vor allem der aufwendige Abkühlungsprozess sorgen für höchste Transmission der Gläser. In meinen Augen der springende Punkt für den späteren Mikrokontrast. Was die wenigsten wissen ist das Glas über die Jahre seine Brechkraft verändert. Deswegen wird für Spezialanwendungen nur „gealtertes“ Glas verwendet was die enormen Preisunterschiede bedingt.

Was wir für unsere Fotos an Gläsern benötigen ist irgendwo mittig angesiedelt. Die für uns Fotografen so wichtigen „Charaktere“ diverser Optiken ist der Fertigung und dem verbunden Aufwand geschuldet. Leitz, Rodenstock und Zeiss versuchen für jede unterschiedliche Anwendung passende Produkte anzubieten. Nur regen sich viele daüber die Preise auf statt sich über zu freuen das es solche „Meisterstücke“ gibt.

Juergen R.

Ja, Qualität hat seinen Preis! Ich habe auch gestaunt, wie hell das Otus 1,4/85 gegenüber meinem Sigma mit gleicher Lichtstärke war! Die Transmission vom Otus ist besser!

Thyl Engelhardt

Zeiss war ja auch früher eher Kooperationspartner bei Objektiven. Für Hasselblad haben sie sie gebaut, bei Rollei waren es nur Lizenzen, iirc, Contax war eine Kooperation mit teils bei Zeiss, teils bei Yashica/Kyocera gebauten Objektiven. Noch weiter zurückreichend für Ikarex etc. Für Arri bauen sie auch welche. Erst mit dem Wenigerwerden dieses Geschäfts wurde Zeiss als Eigenmarke aktiver. Einige Objektive für Hasselblad, einige für Leicas Bajonett, einige für SLRs. Mit Sony haben sie einen neuen Partner gewonnen. Insgesamt denke ich, sind solche Dinge wie die Otus-Linie eher Renomierprojekte, damit Zeiss in der Öffentlichkeit gut wahrnehmbar bleibt. Mit den Otus haben sie glaub ich bei Berufsphotographen echt Erfolge, insofern glaube ich, könnte das Geschäft erhalten bleiben.

Man muss nicht ständig etwas Neues auf den Markt bringen. Die Mittelformatobjektive wurden teilweise Jahrzehnte mit nur kleinen Revisionen gebaut.

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