Ein Patent von Cosina ließ Zweifel an der Herkunft der neuen Otus-Objektive aufkommen. Jetzt meldet sich Zeiss selbst zu Wort.
Zeiss hat Spekulationen widersprochen, die neuen Otus-ML-Objektive seien in Wirklichkeit von Cosina entwickelt worden. Gegenüber dem US-Magazin PetaPixel betont das Unternehmen, dass optisches Design und mechanisches Konzept der manuellen Festbrennweiten aus eigener Entwicklung stammen. Ausgelöst hatte die Diskussion eine Patentanmeldung von Cosina.
Cosina-Patent brachte die Gerüchte ins Rollen
Der japanische Fotoblog Asobinet hatte vergangene Woche eine Patentanmeldung von Cosina aufgegriffen. Die Anmeldung wurde Ende November 2024 eingereicht und am 9. Juni 2026 veröffentlicht. Ein Rechenbeispiel darin nennt eine Brennweite von 82,45 Millimetern und ein Öffnungsverhältnis von 1:1,45. Diese Werte passen zum Otus ML 85mm f/1.4, das Zeiss im vergangenen Jahr vorgestellt hatte.
Asobinet selbst ordnete das Patent vorsichtig als vermutlich zum Otus ML 85mm f/1.4 gehörig ein. Die weitergehende Deutung, Cosina könnte die Reihe entworfen und Zeiss lediglich das Markenzeichen beigesteuert haben, stammt vor allem aus englischsprachiger Berichterstattung. Cosina ist ein angesehener japanischer Objektivhersteller, der heute vor allem für seine Voigtländer-Objektive bekannt ist.
Zeiss reklamiert Konzept und Design für sich
Diese Darstellung weist Zeiss zurück. “Es gibt aktuell Gerüchte, wonach die Zeiss-Otus-ML-Objektive von Cosina entwickelt worden seien. Diese Behauptungen sind falsch”, sagt Joachim Kuss, Kommunikationschef im Zeiss-Segment Consumer Markets, gegenüber PetaPixel. Das optische Design und das mechanische Konzept der Otus-ML-Familie seien das Ergebnis eigener Entwicklung und bauten auf jahrzehntelanger Erfahrung sowie dem Erbe der bisherigen Otus-Objektive auf.
“Zeiss ist und bleibt voll verantwortlich für Konzept, Spezifikation und Design dieser Produkte”, betont Kuss. Zugleich räumt er ein, dass Zeiss für die Fertigung mit ausgewählten Partnern zusammenarbeite, wie in der Optikbranche üblich. “Solche Kooperationen ändern jedoch nichts daran, dass das zugrunde liegende Design, die Leistungsziele und die Qualitätsstandards von Zeiss definiert werden und Zeiss gehören.” Einen Namen nennt Zeiss dabei nicht. Dass Cosina die Objektive fertigt, hatten wir aber bereits beim verzögerten Marktstart des 85ers berichtet. Strittig ist damit nicht die Produktion, sondern allein der Entwurf.
Otus ML steht für die Rückkehr ins Fotogeschäft
Die Otus-ML-Reihe markiert die Rückkehr von Zeiss in den Fotomarkt nach einer längeren ruhigen Phase. Den Anfang machten 2025 das 50mm f/1.4 und das 85mm f/1.4, Anfang dieses Jahres kam mit dem 35mm f/1.4 eine für die Otus-Reihe völlig neue Brennweite hinzu. Alle drei manuellen Festbrennweiten gibt es für Canon RF, Sony E und Nikon Z.
Dass mehrere Firmen gemeinsam an einem Objektiv arbeiten, ist nicht ungewöhnlich. Tamron etwa fertigt einen Teil seiner Optiken für andere Marken, unter anderem für Nikon. Parallel sortiert Zeiss sein älteres Sortiment aus, die DSLR-Festbrennweiten der Otus-Reihe laufen aus.


Das ist schon seit Jahrzehnten so. Zeiss entwickelt und Cosina fertigt. Auch die entscheidende Qualitätsüberwachung bei Cosina lag immer direkt in den Händen von Zeiss. Wundere mich immer über solche Spekulationen von angeblichen Fachleuten.
Kann man so sehen, ob es vollständig so ist, steht auf einem anderen Blatt. Ich kenne solche Fertigungskooperationen zu Hauf, was da wer, wo, wie macht und fertigt und organisiert, oder abnimmt legen die Partner kostenorientiert und möglichst stressfrei-funktional fest – Zeiss-Cosina stehen für eine Topkoop, alles andere entscheidet unser Geldbeutel.
Du hast bei Industrieprojekten grundsätzlich recht. Aber in diesem Fall ist es tatsächlich so wie ich geschrieben habe. Nimm mir einfach ab, das ich es aus früheren Tätigkeiten für Zeiss tatsächlich weiß. Das mit der Topkoopertion zwischen beiden Unternehmen hält mittlerweile schon fast 50 Jahre!
Dann ziehe ich bei Zeiss-Cosina zurück, dein echter, also konkreter, gelebter Einblick in diese Kombi “sticht” definitiv! LG
Letztlich sind das nur kleine Aktivitäten von Zeiss, um in dem Bereich präsent und in den Köpfen der Leute zu bleiben, eher ein Hobby. Schaut her, wir können das noch. Sieht man ja schon an der Wahl von ein paar Standardbrennweiten. Eine ganze Bandbreite sieht anders aus (vgl Contax oder alte Hasselblad). Geld wird derweil woanders verdient. Erinnert mich ein bisschen an Hermes, die ja auch bis heute Sättel fertigen.