Canon Kameras

Canon koppelt seine Profikameras an Authentifizierungs-Standard

Canon startet sein Authenticity Imaging System in Europa. Das System sichert die Herkunft von Pressefotos direkt im Moment der Aufnahme.

Canon führt sein Authenticity Imaging System diesem Monat zunächst in der EMEA-Region ein. Die Lösung basiert auf dem C2PA-Standard (Coalition for Content Provenance and Authenticity) und richtet sich vor allem an Pressefotografen. “Medienhäuser stehen daher verstärkt in der Pflicht, die Herkunft der von ihnen veröffentlichten Bilder nachvollziehbar darzustellen, um deren Authentizität zu gewährleisten”, so Canon in der Pressemitteilung. Unterstützt werden zum Start die spiegellosen Profimodelle EOS R1 und EOS R5 Mark II, jeweils nach kostenpflichtiger Aktivierung der C2PA-Funktion.

Workflow von der Aufnahme bis zur Veröffentlichung

Beim Auslösen erzeugen die Kameras ein sogenanntes C2PA-Manifest. Es enthält Angaben dazu, mit welchem Modell, wo, wann und durch wen ein Bild entstanden ist, und wird mit einer digitalen Signatur versehen. Der dazu nötige private Schlüssel und das Public-Key-Zertifikat liegen in der Kamera selbst.

Anschließend lässt sich die Provenienz am Rechner prüfen. Bearbeitungen wie Zuschnitte oder Farbkorrekturen müssen über C2PA-konforme Programme erfolgen, etwa Adobe Photoshop. Jeder Schritt erhält dann ein neues Manifest, die ursprüngliche Signatur bleibt erhalten. Wer ein Bild dagegen per Screenshot oder mit nicht kompatibler Software verändert, bricht die Signaturkette und das Bild gilt als nicht mehr verifizierbar.

Zeitstempel verlängern die Gültigkeit

Die Public-Key-Zertifikate in den Kameras haben ein Ablaufdatum. Damit Provenienzdaten auch danach prüfbar bleiben, hat Canon ein Timestamp Tool veröffentlicht. Es läuft als Web-App vollständig im Browser und versieht Bilder mit einem vertrauenswürdigen Zeitstempel, ohne dass die Datei auf einen Server hochgeladen werden muss.

Da die Kameras offline aufzeichnen, können sie selbst keine Verbindung zu einem Zeitstempeldienst aufbauen. Der Schritt erfolgt nachträglich am internetfähigen Rechner und kann einzelne Dateien oder ganze Ordner umfassen.

Vor dem Marktstart hat die Nachrichtenagentur Reuters das System gemeinsam mit Canon technisch eingerichtet und mit beiden unterstützten Modellen getestet. Canon ist 2023 sowohl der C2PA als auch der Content Authenticity Initiative beigetreten und prüft, das System künftig auch für Behörden, das Gesundheitswesen und die Forschung anzubieten. Konkrete Preise und Verfügbarkeitsdetails der C2PA-Aktivierung nennt Canon im aktuellen Material nicht.

C2PA-Standard reift, kämpft aber mit der Praxis

Canons Vorstoß reiht sich in eine Folge von Bewegungen rund um C2PA und Content Credentials ein. Anfang 2025 hatte Cloudflare als erstes großes CDN den Standard integriert, im Sommer 2025 brachte Sony mit dem PXW-Z300 den ersten Camcorder mit C2PA-Signatur auf den Markt. Wie wackelig der Standard in der Praxis weiterhin ist, zeigte im September 2025 ein Nutzer, der die C2PA-Signatur an einer Nikon Z6 III aushebelte, indem er Mehrfachbelichtungen mit fremden Rohdaten mischte.

Die Content Authenticity Initiative bezeichnete 2026 zu Jahresbeginn als entscheidendes Jahr für die Verbreitung von Herkunftsnachweisen, kämpft aber weiter mit dem Metadaten-Stripping vieler Plattformen. Im März folgte ein Hardware-Gegenentwurf der ETH Zürich, deren Forschende einen Chip-Prototyp vorstellten, der Bilder bereits im Sensor signiert statt erst per Software.

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