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Yashica und I’m Back stellen die kleinste Systemkamera überhaupt vor

Alte Technik, fast schon unhandlich kompakt, aber dafür lassen sich die Objektive wechseln: Yashica und I’m Back verfolgen mit der Micro Mirrorless ein interessantes Konzept.

Schon älterer 12-MP-Sensor an Bord

Yashica und I’m Back haben mit der Micro Mirrorless laut eigenen Angaben die kleinste Wechselobjektiv-Systemkamera der Welt entwickelt. Das winzige Kameragehäuse misst gerade einmal 77 x 50 Millimeter und ist damit deutlich komprimierter als selbst die kleinsten spiegellosen Vollformatkameras wie die Sigma fp. Mit einem solchen Apparat ist die neue Yashica natürlich allein aufgrund der Sensorgröße nur schwer zu vergleichen.

Das Herzstück der Micro Mirrorless bildet nämlich der 12-MP-Sensor Sony IMX117 im 1/2,3-Zoll-Format, der auch in der 2017 vorgestellten GoPro Hero4 Black zum Einsatz kommt. Der Sensor dürfte bei schlechtem Licht vermutlich nicht sonderlich gut abschneiden, doch er hat einen offensichtlichen Vorteil: Der Cropfaktor von 5,8 verwandelt beispielsweise ein kleines 26mm in ein 150mm-Tele.

Für das eigens entwickelte Objektivbajonett bietet Yashica zunächst drei kompakte und leichte Wechselobjektive mit 20, 50 und 150 Millimeter Kleinbild-Äquivalent an. Über einen optionalen Adapter sollen sich zukünftig auch Objektive für Vollformat- und Mittelformatkameras adaptieren lassen, was jedoch nicht gerade komfortabel aussieht. Ebenfalls angekündigt ist ein externer elektronischer Sucher.

Schwenkbarer Bildschirm und HDMI-Ausgang inklusive

Trotz der kompakten Abmessungen wartet die Micro Mirrorless mit einer Reihe bemerkenswerter Eigenschaften auf. Sie speichert Fotos im RAW- und JPEG-Format, besitzt ein klapp- und schwenkbares 2-Zoll-Touchdisplay sowie gar einen HDMI-Ausgang. Der interne Akku lässt sich per USB-C aufladen. Videos nimmt die Kamera in 4K-Auflösung mit bis zu 24 Bildern pro Sekunde auf, in Full-HD sind bis zu 60 fps möglich. Dateien werden auf einer (nicht mitgelieferten) microSD-Karte gespeichert.

Laut Yashica und I’m Back richtet sich die Kamera an verschiedene Zielgruppen: Content Creator und Vlogger profitieren vom Mikrofoneingang für besseren Ton sowie der Möglichkeit, die Kamera als Webcam zu nutzen. Vielreisende schätzen angeblich die kompakten Abmessungen und das geringe Gewicht. Und Smartphone-Fotografen sollen mit der Micro Mirrorless eine leistungsfähige Alternative mit Wechselobjektiven und manuellen Einstellmöglichkeiten erhalten.

Dank WiFi-Schnittstelle sollen Fotos ohne Umwege direkt auf das Smartphone übertragen und in sozialen Netzwerken geteilt werden können. Für makrofotografische Experimente will Yashica die Micro Mirrorless per Firmware-Update fit machen.

Finanzierungsziel um Vielfaches geknackt

Die Micro Mirrorless wird voraussichtlich ab November an die ersten Unterstützer der Kickstarter-Kampagne verschickt, die sich ein ein Exemplar inklusive 50mm und ein bisschen Zubehör ab 219 Euro sichern können. Das Komplettpaket mit allen drei Objektiven kostet 290 Euro.

Mit einem bisher erreichten Finanzierungsvolumen von rund 150.000 Euro hat das Projekt die ursprüngliche Zielsumme von rund 10.000 Euro innerhalb kürzester Zeit bereits weit übertroffen. Dass die Kamera tatsächlich Realität wird, ist also eigentlich gesichert (wobei ich ehrlich gesagt glaube, dass das Geld dafür nicht einmal unbedingt nötig gewesen wäre – die Produktion einer Kamera macht man wohl kaum von 10.000 Euro abhängig). Hier sind ein paar Beispiel-JPGs, die mit einem Prototyp entstanden sind:

Allerdings hat Yashica in der Vergangenheit nicht immer wie versprochen abgeliefert, weshalb wir etwas skeptisch bleiben sollten. Mehr Vertrauen habe ich da tatsächlich in den Projektpartner I’m Back, die zuletzt mit einem spannenden Digitalrückteil für alte Analogkameras für Aufsehen gesorgt haben.

Ich finde die Idee, eine so kleine Kamera dennoch mit verschiedenen Objektiven kombinieren zu können, gar nicht so schlecht. Auch beweisen die Produktdesigner Liebe zum Detail, etwa durch den externen Audio-Eingang, den HDMI-Port und die App-Integration. Und auch wenn die Kamera einen etwas überalterten Sensor mitbringt, der von heutigen Smartphones weit übertroffen wird – Yashica und I’m Back treffen damit genau den „Vintage-Vibe“, den TikTok und die Generation Z so lieben. Bleibt nur abzuwarten, ob die winzige Kamera einigermaßen angenehm zu handhaben ist.

via: PetaPixel

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Peter

Nikon Linse mit Bildschirm…😂

ccc

😂😂

Peter Braczko

Sehr schön – die obere Zeichnung zeigt (etwas verändert) die Nikon F mit eingesetztem Prismensucher – immer noch eine Top-Kamera! Das Bild daneben zeigt die geklonte Yashica mit dem Fischaugen-Nikkor 3.5/16 mm. Warum ist das Bild eigentlich so unscharf? Keine gute Werbung für ein neues Foto-Produkt!

Markus B.

Für den Preis gibt es doch genug gebrauchtes Material, was technisch besser ist. Warum soll man sich so etwas kaufen? Hinter Sofortbild-Kameras steckt ja noch ein gute. Aber das hier ist nur eine auf billig gemachte DSLM ohne EVF, mit billigem Gehäuse und dem entsprechenden Bajonett. Wer braucht so etwas??? Eine gebrauchte Olympus PL3 gibt es für 100€, eine Canon M100 ebenfalls. Kauft man Kit-Zoom dazu, gibt man weniger als 290€ aus und hat definitiv mehr Kamera und bessere Bilder!

Thorsten

Ganz deiner Meinung

ccc

Ernsthaft: Da kauft man sich doch viel lieber eine alte MFT DSLM – hat man viel mehr davon. Der gigantische Cropfaktor hat natürlich auch den Nachteil, dass adaptierte (APSC- und VF-) Objektive das licht nicht auf den Sensor sondern vor allem drum herum bringen. Katastrophal schlechte Lichtausbeute!! (eigentlich schlechte T-Werte!)

Peter

Das ist was für Leute die A schon alles haben und B unbedingt etwas „brauchen“ was der Mainstream nicht hat und der Preis ist ja nicht wirklich abschreckend.

Ressourcenverschwendung vom feinsten…

Peter Braczko

Yashica? Da hat sich ein kleiner Hersteller vermutlich die Namensrechte gesichert, denn der ursprüngliche Kamerahersteller Yashica produzierte zweiäugige Rollfilmkameras UND Kleinbildsucherkameras, dann kamen Spiegelreflexmodelle dazu. 1973 startete die Zusammenarbeit mit Zeiss (in Japan hergestellte) Objektive plus Kamera- und Objektivdesign von Porsche. Yashica brachte dann 1974 auf der photokina die professionelle Contax RTS auf den Markt. Yashica pflegte zeitgleich ein eigenes Programm (z. B. mit dem Modell FR). 1983 übernahm Kyocera (Japan) und 2005 kam das Ende dieser Marke. Und jetzt das? Ist trotzdem wert, sich das interessehalber anzusehen….

ccc

Mit dem Sensor ist das mMn eben keinen Blick wert.

Joachim

Ich halte das für eine Spielerei. Mit Hilfe des Namens Yashica will man eventl. profitieren.

Alfred Proksch

Eine teure hintere Objektiv-Kappe. Es gibt doch schon diese Kamera Gehäuse Deckel mit eingebauter Linse. Diese beiden Dinger (AstrHori 10mm f/8 II) könnte man doch kombinieren !! Fertig ist eine neue Spielerei.

joe

@Jonathan

„…Dass die Kamera Realität wird ist gesichert…“ Sicher? Wenn Du Dich da mal nicht täuscht. Vielleicht ist das das was der „Enkeltrrick“ für Oma und Opa ist, der „Startuptrick“ für Technikbegeisterte. Wäre ja nicht das erste Mal. Was Realität wird ist, dass es – falls es Realität wird – sich nicht lohnt diese Kiste zu kaufen. Zu dem Preis vernünftiges abzuliefern scheint mir schwer vorstellbar.

Joschuar

Mal ganz ehrlich, so ein Schrott braucht kein Mensch! Nikon 1 ist gescheitert und war ein 1″ Sensor! Und die GroPro usw sind auch noch da und sind hundert mal Sinnvoller als dieser Krampf. Billig mit einem Name wird hofentlich nicht funktionieren, da sind gute Handyvorsatzlinsen doch besser !?

Carlo

Wen will man mit diesem Sensor anlocken? Da machen ja Smartphones bessere Bilder. Und Zoom benötigt keiner bei dem Sensor, die Bilder werden schlecht sein, so oder so.

Peter Braczko

Das stimmt auch wieder, das Nikkor-AF-Zoom ist ein Spitzenglas, aber an dieser Zigarettenschachtel könnte es problematisch werden?!

M. de Sarre

Entweder gibt es irgendwo auf der Welt wieder einen Markt für so etwas oder irgend jemand (Inestoren?) wird abgezockt. So etwas hat doch schon mal jmd versucht: Pentax Q

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